Heinrich Krobbach und Bücher
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Hallo und herzlich willkommen auf meiner Webseite!

Hier gibt es mich zu sehen und zu lesen.

Für Literaturliebhaber/innen meine Rezensionen gelesener Bücher. Über viele und nette Kommentare freue ich mich.
Rechts übrigens die neuesten Rezensionen.

Wer sich wundert, dass neuerdings so viele Krimis auftauchen. Seit dem Superstart der VHS-Lesungen "Tod im Turm" bekomme ich massenhaft Empfehlungen - ich bin sozusagen fast im Krimi-Lese-Stress. Aber es gibt auch immer wieder unblutige Literatur.

Ich suche natürlich auch Gäste für meine Ferienwohnung am schönen Traunsee (Österreich, Salzkammergut).

Viel Spaß beim Surfen
Heinrich Krobbach

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Franz Werfel

Franz Werfel: Eine blaßblaue Frauenschrift

Leonidas ist Sektionschef im Österreichischen Kultusministerium, hat sich aus kleinen Verhältnissen emporgearbeitet, ist gerade 50 Jahre alt geworden und verheiratet mit der aus scherreichem Elternhaus stammenden Amelie. Er ist sozusagen auf dem Höhepunkt seines erfolgreichen Lebens. Da erreicht ihn ein Brief in blaßblauer Frauenschrift und er erkennt als Absenderin sofort seine ehemalige Geliebte Vera. Obwohl schon mit Amelie verheiratet hatte er vor 18 Jahren ihr eine gemeinsame Zukunft versprochen, sie jedoch schändlich sitzen lassen. Vera bittet ihn in förmlichen Ton um Unterstützung für einen jungen Mann, der in Deutschland kein Abitur mehr machen darf. (Die Geschichte spielt kurz vor der Okkupation Österreichs durch die Nazis; Vera ist Jüdin). Leonidas beschleicht die Ahnung, dass dieser junge Mann sein Sohn sein könnte – der Zusammenbruch seiner bürgerlichen Existenz wäre damit unausweichlich.

Geschickt spielt Franz Werfel (unter Anspielung auf antike Themen) mit den Ausmaßen einer Tragödie und stutzt sie fast ironisch zu einem eher profanen Ende. Eingebettet ist das Ganze in eine illustre Schilderung des österreichischen Beamtengeistes, z.B. des „…liebenswürdig verbindlichen Rechthabens und Machthabens…“. Darüber hinaus beschreibt er in Deutlichkeit, wie sich Teile der österreichischen Elite in vorauseilendem Gehorsam schon auf die Machtübernahme durch die Nazis vorbereiten. Einfach genial die mit poetischer Präzision gezeichneten Szenen und Stimmungen – halt Weltliteratur!

Land: Österreich
Genre: Erzählung
Verlag: Kröner, Stuttgart
Jahr: 2016
Seiten: 176
Rezension von HK am 18.08.2017

Daniel Kehlmann

Daniel Kehlmann: Du hättest gehen sollen

Ein Drehbuchautor hat mit seiner Frau Susanna und der vierjährigen Tochter Esther ein einsames Ferienhaus in den Bergen gemietet. Ein harmloser Familienausflug, den er auch zum Schreiben nutzen will. Aber es herrschen Spannungen zwischen dem Paar, die schließlich zur überstürzten Abreise von Susanna führen. Doch parallel passieren weitaus gravierendere Dinge. Das Haus verändert sich – plötzlich gibt es Zimmer, die vorher nicht da waren, Bilder, die vorher nicht an der Wand hingen; der Mann verlässt mit seiner Tochter das Haus, doch die Haustür führt wieder ins Wohnzimmer. Und vorher die mysteriöse Warnung von Dorfbewohnern: „Gehen Sie, bevor es zu spät ist!“.

Auf verstörende Weise konfrontiert Daniel Kehlmann die – wenn auch konflikthafte – bürgerliche Normalität mit einem Grauen, das an Edgar Allan Poe erinnert. Ohne Grund findet der Mann keinen Grund mehr. Wie beim Haus ist Innen außen und Außen ist nnen. Nach nur 96 Seiten bleibt der Leser erschrocken zurück…

Land: Deutschland
Genre: Erzählung
Verlag: Rowohlt, Reinbek
Jahr: 2016
Seiten: 96
Rezension von HK am 14.08.2017

Christa Jekoff

Christa Jekoff: Mein schöner Mörder

Im noblen Frankfurter Holzhausenviertel verschwinden die (schwerreichen) Eltern von Jan Wilke spurlos. Angeblich sind sie in Urlaub gefahren, doch es gibt seit geraumer Zeit kein Lebenszeichen von ihnen. Die Polizei ermittelt ergebnislos, doch der Polizeipsychologe Max Singer hält Jan für den Mörder seiner Eltern und bittet seine gute Freundin, die Psychologin Lea Loos, um Rat. Die beginnt recht nassforsch mit Recherchen in der Nachbarschaft und stößt auf ein verzwicktes Beziehungsgeflecht zwischen der verschlossenen Baronin Wahlheim, dem geschäftstüchtigen Schönheitschirurgen Gruber, dessen Tochter, der Sekretärin (und Geliebten) von Vater Wilke und einigen anderen mehr und spürt – hier liegen Leichen im Keller. Und sie ist auf eigentümliche Weise fasziniert von der schillernden Persönlichkeit Jans und muss bald spüren, dass auch hier psychologische Leichen im Keller liegen. Es braucht aber noch einige Tote und gefährliche Einsätze von Lea, bis sich das Grauen abzeichnet.

Also, mal nicht „hier liegt die Leiche und wer war’s?“, sondern ein verflochtenes Verwirrspiel zwischen Personen, Psychen, Motiven und möglichen Handlungen, bei dem man schon mal kurz den Überblick verliert, aber vor Spannung weiterliest. Der psychologische Topos der gespaltenen Persönlichkeit ist für einen Krimi nicht aufregend neu, aber gut als der Kern des Plots entwickelt. Lea Loos kommt als Person sehr differenziert und farbig rüber, wenn auch bei einigen Aktionen die Grenze des Leichtsinns (auch für eine Krimihandlung) überschritten sind. Insgesamt eine schöne und spannende Lektüre.

Land: Deutschland
Genre: Krimi
Verlag: Conte, St. Ingbert
Jahr: 2017
Seiten: 230
Rezension von HK am 11.08.2017

Lutz Ullrich

Lutz Ullrich: Klaa Pariser Blut

Jan Steininger von der Frankfurter Mordkommission erwacht neben der Leiche der Staatsanwältin Felicitas Maurer, die mit zahlreichen Messerstichen umgebracht wurde, und kann sich an nichts erinnern. War es eine Eifersuchtstat, weil Felicitas noch viele andere Liebhaber hatte. Oder eine Vertuschungstat, weil sie die Nächte mit ihren Lovern heimlich gefilmt hatte. Jan ist bald entlastet, eine neue Spur findet sich nicht so richtig und schließlich gerät ein neuer Mord an der Heddernheimer Fastnachtsprinzessin in den Fokus. Seltsam nur, dass der Tathergang dem Mord an der Staatsanwältin sehr ähnlich ist. Nun folgende umfangreiche Recherchen im – nicht immer so harmonisch-fröhlichen – Heddernheimer Fastnachtsmilieu. Kommissarin Julia Will schlüpft sogar undercover in die Rolle der neuen Prinzessin.

Es braucht dann noch einen Mord und eher zufälliger Verknüpfungen von Erkenntnissen Jan Steiningers (ins Betrugsdezernat versetzt) mit der Mordermittlung, um plötzlich auch den Fall der Staatsanwältin aufklären zu können. Lutz Ullrichs Erzählstil (der Präsenz der Figuren und der Szenen) ist es zu verdanken, dass – trotz des etwas konstruierten und am Ende hingebogenen Plots – ein spannender Krimi draus geworden ist. Und immer lesenswert ist das Frankfurter Lokalkolorit, besonders die Einführung in die Geschichte der Heddernheimer Fastnacht.

Land: Deutschland
Genre: Krimi
Verlag: LASP, Schwalbach am Taunus
Jahr: 2017
Seiten: 220
Rezension von HK am 08.08.2017

Monika Geier

Monika Geier: Alles so hell da vorn

In einem heruntergekommenen Frankfurter Bordell erschießt Manga, eine junge Prostituierte, einen Kunden und einen Zuhälter, was zwei weiteren Mädchen die Flucht ermöglicht. Anschließend schlägt sich Manga bis in das pfälzische Dorf Höhbrücken durch, fragt dort nach „Gutvatter“, wird zur Grundschule geschickt und erschießt den gleichnamigen Schulleiter. Die Ludwigshafener Kommissarin Bettina Boll wird in den Fall involviert, weil der in Frankfurt erschossene Kunde ihr Ex-Freund und Kollege Ackermann war.

Offenkundig geht es um Kinderprostitution. Und zehn Jahre zuvor verschwand in Höhbrücken die damals sechsjährige Meggie spurlos. An den Ermittlungen sind nun eine SoKo in Pirmasens, die Kripo in Frankfurt, zweitweise die in Mannheim, der ehemalige Leiter der SoKo Meggie aus Darmstadt, die Kripo Ludwigshafen und schließlich auch das BKA beteiligt. Doch alleine Bettina Boll – obwohl zeitweise wegen ihrer Freundschaft zu Ackermann selbst verdächtig – stößt durch ihre intuitiven Befragungen auf die wahren Zusammenhänge. Und hier tun sich Abgründe auf, die noch schlimmer sind als „nur“ Kinderprostitution.

Ein spannender und psychologisch abgründiger Plot, der es in Verbindung mit empathischer Erzählweise schafft, die Spannung über 400 Seiten zu halten. Es hätten weniger werden können, wenn den polizeiinternen Ränken und Querelen etwas weniger Raum gegeben worden wäre (z.B. das unrealistisch zickenhafte Verhalten Pirmasenser Polizistinnen). Die Nebenhandlung des Verkaufs des Hauses von Bettinas verstorbener Tante – mit Kinderleiche im versteckten Brunnen (was nix mit der Haupthandlung zu tun hat) hätte man komplett weglassen können. Insgesamt ist mein Eindruck also gemischt, aber lesenswert ist der Krimi allemal.

Land: Deutschland
Genre: Krimi
Verlag: Argument, Hamburg
Jahr: 2017
Seiten: 352
Rezension von HK am 06.08.2017