Heinrich Krobbach und Bücher
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Hallo und herzlich willkommen auf meiner Webseite!

Hier gibt es mich zu sehen und zu lesen.

Für Literaturliebhaber/innen meine Rezensionen gelesener Bücher. Über viele und nette Kommentare freue ich mich.
Rechts übrigens die neuesten Rezensionen.

Wer sich wundert, dass neuerdings so viele Krimis auftauchen. Seit dem Superstart der VHS-Lesungen "Tod im Turm" bekomme ich massenhaft Empfehlungen - ich bin sozusagen fast im Krimi-Lese-Stress. Aber es gibt auch immer wieder unblutige Literatur.

Ich suche natürlich auch Gäste für meine Ferienwohnung am schönen Traunsee (Österreich, Salzkammergut).

Viel Spaß beim Surfen
Heinrich Krobbach

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Nadeem Aslam

Nadeem Aslam: The Golden Legend

Das Architektenehepaar Massud und Nargis lebt in einem christlichen Stadtteil in Pakistan. Beide sind nicht religiös, aber von Respekt und Toleranz gegenüber anderen Menschen, Kulturen und Religion geprägt. Sie behandeln Helen, die Tochter ihrer verstorbenen Hausangestellten Grace, wie ihr eigenes Kind und finanzieren ihr Studium. Helens Vater Lily ist Rikschafahrer, Christ und verliebt sich in Aysha, die Tochter eines Imams und Witwe eines islamistischen Kämpfers, der von einer amerikanischen Drohne getötet wurde. Damit nimmt sein Verhängnis seinen Lauf. Vorher jedoch wird Massud bei einer Schießerei zwischen einem CIA-Agenten und Pakistanis versehentlich tödlich getroffen. Der pakistanische Geheimdienst will nun ein Geschäft mit den USA machen, die natürlich die Auslieferung ihres Agenten (der angeblich ein Diplomat ist) verlangen, und verlangt von Nargis, dass sie als Angehörige dem Mörder vergibt, weil der dann gemäß der Sharia freigelassen werden kann. Inzwischen soll auch Helen wegen Blasphemie verhaftet werden, weil sie in einer Studentenzeitschrift angeblich blasphemische Äußerungen veröffentlicht hat. Die beiden Frauen verstecken sich mit Hilfe von Imran (der sich in Helen verliebt und vorher aus einem islamistischen Ausbildungslager geflohen ist – aber das ist ein weiterer umfangreicher Erzählstrang) auf einer Insel im Fluss. Dort hatten Massud und Nargis vor Jahren eine Moschee erbaut, die jedoch wegen religiöser Konflikte nicht genutzt wird. Auch Lily flieht und versteckt sich vor seinen Verfolgern.

Eine ziemlich komplexe Geschichte, bei der Nadeem Aslam die Fäden sehr gut beisammenhält. Trotz vieler Rückblenden in die Geschichte der Protagonisten und vieler Erzählstränge ist alles gut miteinander verwoben, so dass man nie die Orientierung verliert. Hinsichtlich der Flucht und Verfolgung von Nargis, Helen, Imran und Lily durch die Polizei ist sogar viel Spannung drin. Das eigentliche Thema ist jedoch der religiöse Hass von fanatischen und gewalttätigen Moslems auf Christen, moderat-tolerante Moslems und Ungläubige überhaupt und die Machtlosigkeit des humanistisch-weltoffenen Geistes gegenüber dem Terror (angeblich von Gott bestimmter) Prinzipien, die über Menschenleben hinweggehen. Mut macht dieser Roman nur insoweit, als er eine poetische Liebeserklärung an die Menschlichkeit ist.

Das Buch ist auch in deutscher Übersetzung unter dem Titel "Die goldene Legende" erschienen.

 
 

Land: Groß-Britannien
Genre: Roman
Verlag: Faber and Faber Ltd, London
Jahr: 2018
Seiten: 364
Rezension von HK am 13.02.2018

Irmgard Schürgers

Irmgard Schürgers: Denn sie wissen, was sie tun

Ein heißer Sommer in Frankfurt. Dennoch ist die Zahl der Todesfälle bei Alzheimerpatienten im Seckbacher Pflegeheim ungewöhnlich hoch. Spätestens als das Auto des Arztes Martin Otto, der misstrauisch geworden war, explodiert, wird klar, dass dies offensichtlich mit unverantwortlichen bis illegalen Medikamentenexperimenten des Pharmakonzerns Mondopharm zu tun hat. Doch welche Rolle spielen dabei der skrupellose Pflegedienstleiter Stelter, der arrogante Neurologe Linderhaus und der Projektleiter Kirchhoff? Und was hat damit die außergewöhnlich schöne Frau, die erdrosselt im Frankfurter Westhafen gefunden wird, zu tun?

Die Verstrickungen, besonders von Robert Kirchhoff, der den Verlockungen des großen Geldes erlegen ist, werden relativ schnell klar. Die Spannung in etwa der zweiten Hälfte speist sich eher durch die Frage, wer wen drankriegt. Doch es ist nicht nur ein flott geschriebener Krimi, sondern auch ein kritischer Blick auf abgründige Welten der Profitgier (nicht weit entfernt von der Wirklichkeit). Die Kluft verkörpert deutlich Robert Kirchhoff – er im Luxusapartment und auf Glamourpartys, während seine Frau Bettina sich als Betriebsrätin engagiert. Und die sympathische Kommissarin Katja Lehmann hat am Rande des Stoffel im Günthersburgpark Sex mit ihrem Freund Gerd. Das ist Lokalkolorit hoch 3.

 

Land: Deutschland
Genre: Krimi
Verlag: Uniscripta, Eppstein
Jahr: 2017
Seiten: 265
Rezension von HK am 28.01.2018

Nele Neuhaus

Nele Neuhaus: Im Wald

Auf einem Campingplatz bei Ruppertshain im Taunus wird nachts ein Wohnwagen abgefackelt. Darin stirbt Clemens Herold, der an einer Ortschronik gearbeitet hat. Kurz darauf wird seine Mutter Rosi Herold im Altersheim erdrosselt. Schließlich wird der ehemalige Pfarrer Adalbert Maurer erhängt in der Sakristei gefunden – und es war kein Selbstmord. Soweit die vorläufige Liste der Leichen in der Jetzt-Zeit. Für Hauptkommissar Oliver von Bodenstein, in Ruppertshain aufgewachsen, ist es ein besonderer Fall, kennt er doch alle Beteiligten schon sein Leben lang. Bald kommt ihm der wahnwitzige Verdacht, dass die Morde mit den Ereignissen von 1972 zu tun haben, als er 11 Jahre alt war und sein Freund Arthur ebenso spurlos verschwand wie sein zahmer Fuchs Maxi.

Dass Bodenstein mit seiner Vermutung recht hat, ist ja gerade der anspruchsvolle Plot des Krimis. Dieses weite Netz, in dem unzählige Familiengeschichten über drei Generationen verwoben sind, zu spannen und ohne sich sprichwörtlich im Wald zu verlaufen, ist eine Meisterleistung der Autorin. Ab und zu muss man im – klugerweise angelegten – Personenregister nachschauen, aber dann zieht die Geschichte den Leser wieder in den Bann. Viel Psychologie kommt gelungen ins Spiel durch Bodensteins Verwicklung in den Fall – von seinem Schuldgefühl, weil er damals nicht auf Arthur aufgepasst hat, bis zum archaisch anmutenden Showdown am Schluss. Und ganz nebenbei wird die Frage aufgeworfen, was aus Kindern / Jugendlichen der (dörflichen) Flower-Power-Zeit nach 40 Jahren geworden ist, und dabei tritt ein burleskes Sittengemälde hinter der scheinbar harmonischen dörflichen Bürgerlichkeit zu Tage. Also, den habe ich gerne gelesen.

 

Land: Deutschland
Genre: Krimi
Verlag: Ullstein, Berlin
Jahr: 2017
Seiten: 560
Rezension von HK am 27.01.2018

Sasha Marianna Salzmann

Sasha Marianna Salzmann: Außer sich

Die Zwillinge Alissa und Anton wachsen in beengten Verhältnissen in Moskau auf. Die Ehe ihrer Eltern Kostjia und Valja ist von Streit bestimmt; nach der Übersiedlung in die Bundesrepublik lassen sie sich scheiden. Die Eltern sind mit sich selbst beschäftigt, die Kinder in ihrer Entwicklung auf sich gestellt. Gespräche verlaufen eher mühsam. Alissa gibt ihr Mathematikstudium auf, um sich eher dem Boxtraining zu widmen. Anton ist plötzlich verschwunden. Als eine Karte ohne Text und Unterschrift aus Istanbul kommt, vermutet Alissa ihn dort und bricht auf, ihn zu suchen. Sie kommt in einer Wohnung eines Onkels eines Berliner Freundes unter, beginnt eine Art Beziehung mit dem transsexuellen Tänzer Katho, streift durch die Stadt und beginnt eine Testosteron-Behandlung, um ein Mann zu werden. Auch Antons Leben in Istanbul, das sich nicht sehr von jenem seiner Schwester unterscheidet, wird erzählt. Weitere längere Erzählstränge sind Rückblicke auf das Leben von Großeltern und Urgroßeltern in der Sowjetunion.

Das alles erfolgt in nicht-chronologischer Reihenfolge, so dass man leicht – auch angesichts der vielen Personen und Namensvariationen und der wechselnden Ich-Erzähler – den Überblick verliert. Beängstigend wirkt in den rückblickenden Kapiteln die – mit sprachlichem Understatement noch unterstrichene – Härte des Alltagslebens in der Sowjetunion. Bestürzende Bilder von Gewalt, Dunkel, Leid und Alkohol, nur wenig gemildert durch Mitmenschlichkeit. Und irgendwie geht es um das Verloren sein in der Welt und die Suche nach rudimentärer Identität und Zugehörigkeit. Der einzige Ort, der diesbezüglich nicht aus der Welt gefallen erscheint, ist „Onkel“ Cemals Wohnung – die die ist ein Auslaufmodell. Es ist weniger ein Roman als ein Bilderreigen des Dahintreibens der Protagonisten durch zum Teil bizarre Szenen.

Land: Deutschland
Genre: Roman
Verlag: Suhrkamp, Berlin
Jahr: 2017
Seiten: 366
Rezension von HK am 19.01.2018

Uwe K. Alexi

Uwe K. Alexi: Blut und Rache

Der wegen Mordes an einem Neonazi verurteilte Luka Basler kommt nach verbüßter Haft frei und wird von seinem Bewährungshelfer im beschaulichen Bad Homburg untergebracht. Doch bevor er ein neues Leben beginnen kann, schüren anonyme Flugblätter in den Briefkästen der Nachbarn die Angst. Kurz darauf werden im Kurpark zwei bestialische Morde verübt. Die „besorgten Bürger“ von Bad Homburg sind in Panik, der Oberbürgermeister fürchtet um seine Wiederwahl und so gerät Hauptkommissar Dieter Reibmann unter Druck und verhaftet Luka Basler als mutmaßlichen Täter – Fall abgeschlossen. Einzig der Journalist Armin Anders glaubt nicht an diese banale Lösung und recherchiert mit Hilfe des Computer-Nerds Manfred – und fördert Stück für Stück eine schier unglaubliche Geschichte um Neonazis, Herrenmenschen und Rachefeldzüge zu Tage. Dabei muss er tragischen menschlichen Schicksalen und Abgründen ins Auge blicken.

Viel situative Spannung in einzelnen Szenen, vorwiegend durch den Gruselfaktor, den die bestialischen Morde erzeugen. Beim Handlungsaufbau holt der Autor sehr weit aus. Bis alle Beteiligten und Handlungsstränge eingeführt sind, ist das halbe Buch rum – und man weiß schon, wer der Täter ist. Handlungsspannung entsteht höchstens noch dadurch, wie und wann er gefasst wird. Etwas einseitig ist auch, dass fast der gesamte relevante Erkenntnisgewinn aus den Hacker-Recherchen des Computer-Nerds stammen. Spät eingeschobene Kapitel mit Detailbeschreibungen früherer Ereignisse (von denen der Leser aber schon weiß) wirken eher deplatziert. Die Parallelhandlung in Nigeria ist gerade mal lose mit dem eigentlichen Plot verknüpft, hat eigentlich keine Funktion und verläuft sich am Ende. Auch sprachlich könnten Stimmungen und Gefühle weniger wortreich langatmig, sondern fokussierter und lebendiger in Szene gesetzt werden. Fazit: Kann man mal lesen.

Land: Deutschland
Genre: Thriller
Verlag: UKA, Bad Homburg
Jahr: 2017
Seiten: 278
Rezension von HK am 10.01.2018