Heinrich Krobbach und Bücher
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Hallo und herzlich willkommen auf meiner Webseite!

Hier gibt es mich zu sehen und zu lesen.

Für Literaturliebhaber/innen meine Rezensionen gelesener Bücher. Über viele und nette Kommentare freue ich mich.
Rechts übrigens die neuesten Rezensionen.

Wer sich wundert, dass neuerdings so viele Krimis auftauchen. Seit dem Superstart der VHS-Lesungen "Tod im Turm" bekomme ich massenhaft Empfehlungen - ich bin sozusagen fast im Krimi-Lese-Stress. Aber es gibt auch immer wieder unblutige Literatur.

Ich suche natürlich auch Gäste für meine Ferienwohnung am schönen Traunsee (Österreich, Salzkammergut).

Viel Spaß beim Surfen
Heinrich Krobbach

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Anni Bürkl

Anni Bürkl: Höhlenzauber

Im Salon für Tee und Literatur von Berenike Roither (die ehemalige Wiener Eventmanagerin hat es nach Altaussee in der Steiermark gezogen) soll ein Bollywood-Film gedreht werden. Die 17jährige Sabine wurde als einheimische Darstellerin ausgewählt, erscheint jedoch nicht zu den Dreharbeiten. Besorgt macht sich Berenike (mit ihrem Lebensgefährten Jonas, Oberinspektor der örtlichen Polizei) auf die Suche. Spürhunde führen sie auf den Salzberg, doch dort verliert sich die Spur. Erst ein mysteriöser Roman über 4 ausgestoßene Männer zur Keltenzeit erbringt neuere Hinweise, wo die (inzwischen) 4 vermissten Mädchen zu finden sein könnten. Berenike und Jonas müssen tief in uralte Mythen und auch historische Salzstollen eindringen, um das Rätsel zu lösen.

Die Geschichte ist originell aufgebaut. In wechselnden Kapiteln wird die geheime Aktion der Mädchen („auf dem Salzberg, kurz davor“) und die Suche nach ihnen („auf dem Salzberg, kurz darauf“) geschildert, bis beide Handlungsstränge zusammentreffen. Etwas esoterisch wird es, wenn Berenike immer mal wieder spezielle Erdkräfte spürt und Ahnungen bekommt. Aber vielleicht gehört das zum Krimistoff in einer solchen Bergwelt dazu. Die Charaktere sind recht farbig gezeichnet – Berenike ist eine Sympathieträgerin, lediglich die 4 Mädchen kommen recht eindimensional rüber. Es ist ein sprachlich kompakt und flüssig geschriebener Krimi, und die Spannung hält bis zum Schluss. Hat Spaß gemacht, ihn zu lesen.

Land: Österreich
Genre: Krimi
Verlag: Gmeiner, Meßkirch
Jahr: 2017
Seiten: 230
Rezension von HK am 16.12.2018

Bernhard Barta

Bernhard Barta: Sissis Gift

Bezirksinspektor Gustl Brandner verbringt den Bürosonntag mit Angeln im Traunsee. Doch plötzlich hat er einen kapitalen Fang am Haken, nämlich die Leiche der berühmten Schlager-Sissi, die gerade den Gmundner Singcontest gewonnen hat. Ein Fall für das Linzer Kommando für Kapitalverbrechen, die in Gestalt der gutaussehenden Frau Oberst Karl auf den Plan tritt. Ab sofort ermitteln Brandner und sein Wachtmeister Seppl Birngruber, ein ausgewiesener Leberkäsjunkie, unter dem strengen Regiment der Frau Oberst. Verdächtige werden nun zuhauf geliefert – von der erfolglosen Konkurrentin Bonita Blond (bürgerlich: Grundbichler) über Ortsgrößen bis hin zum zwielichtigen Agenten Schröder. Die Recherchen führen tief ins Gmundner Nachtleben und den Traunsee. Hinzu kommen weitere Leichen, eine Entführung, Lösegeldforderungen und nächtliche Geldübergaben auf dem Traunsee. Schließlich muss Brandner im dramatischen Finale um sein Leben fürchten, bis der Fall gelöst ist.

Bisserl verwirrend und sprunghaft ist die Handlung schon, aber insgesamt nicht ganz unschlüssig, so dass die Krimi-Spannung durchaus vorhanden ist. Das Beste sind aber die vielen skurrilen Figuren, z.B. die Männer am Stammtisch in der Weinstube Spieß, aber auch die Frauen wie Oberst Karl, Rechtsmedizinerin Fuchs und auch Schlager-Sissis Assistentin Lucy Klein, die regelmäßig als männerbetörende Vamps daherkommen. Aber vielleicht liegt dies auch an den erotomanen Fantasien des sexuell vernachlässigten Gustl Brandner, der sogar noch seine mannstolle Sekretärin Milli mit Wachtmeister Seppl in flagranti erwischen muss. Man könnte meinen, ganz Gmunden sei bevölkert von schrägen, zwielichtigen und sexbesessenen Gestalten. Verbunden mit viel Lokalkolorit (Schloss Orth, Weinstube Spies usw.) ist es insgesamt eine herrliche Krimi-Klamotte.

Land: Österreich
Genre: Krimi
Verlag: Haymon, Innsbruck-Wien
Jahr: 2015
Seiten: 264
Rezension von HK am 14.12.2018

Jan Zweyer

Jan Zweyer: Franzosenliebchen

Historischer Hintergrund ist die Besetzung des Ruhrgebiets durch französische Truppen im Jahr 1923. Die junge Hausangestellte Agnes Treppmann fährt abends von ihrer Arbeit in Herne zurück in ihr Dorf Sodringen, kommt jedoch nie zu Hause an. Ein von den Eltern mobilisierter Suchtrupp findet sie ermordet im Keller eines zerstörten Hauses. Sehr schnell geraten zwei französische Soldaten, die in der Nähe gesehen wurden, in Verdacht. Doch die französischen Besatzer ziehen den Fall an sich – die beiden werden recht schnell von einem Militärgericht freigesprochen. Nun wird aus Berlin der Polizist Peter Goldstein ins Ruhrgebiet geschickt und soll verdeckt Beweise für die Schuld der Soldaten ermitteln. Tatsächlich ist alles nicht so, wie es auf den ersten Blick aussieht. Vor allem aber gerät Goldstein zwischen alle Fronten zwischen Besatzern und Widerstand und muss mehrfach um sein Leben fürchten, bis er die Wahrheit herausfinden kann.

Rundum wird das Buch dem Anspruch an einen „historischen Kriminalroman“ gerecht. Sehr instruktiv werden ebenso Gewalt und Unterdrückung durch die Besatzer wie auch der Widerstand der Bevölkerung geschildert. Wobei Letzterer keineswegs einheitlich ist, was die Kontroversen zwischen Kommunisten und Nationalisten und jene zwischen gewaltfreien und gewaltbereiten zeigen. Auch Gut und Böse sind nicht immer eindeutig auf einer Seite. Skrupellose (deutsche) Geschäftsmacher bringen ihre Schäfchen ins Trockene, während – wie halt fast immer in der Geschichte – die einfachen Leute leiden. Zwischen all diesen Handlungssträngen bleibt jedoch immer der rote Faden des Krimis klar erkennbar und sorgt für die nötige Spannung. Vor allem gelingt es dem Autor mit präzisen Worten und Szenen, den Leser in die damalige Zeit der Kohleöfen, Waschküchen, Rübenkraut, Muckefuck und natürlich Kohlestaub hineinzuversetzen. Hat Spaß gemacht.

Land: Deutschland
Genre: Krimi
Verlag: grafit, Dortmund
Jahr: 2007
Seiten: 348
Rezension von HK am 09.12.2018

Viola Haas

Viola Haas: Elektro-Schock

In Frankfurt ist die IAA, und im Groß-Gerauer Hotel Adler sind sowohl die Vertreter von PSA/Opel als auch jene des amerikanischen Elektroauto-Herstellers Alva, der einen Produktionsstandort in Groß-Gerau-Wallerstädten plant, untergebracht. Alva-Manager Maxim Wills verunglückt tödlich auf der Fahrt nach Frankfurt – sein Hightech-Wagen rast zwischen Groß-Gerau und Mörfelden gegen einen Baum. Dass es weder Bremsspuren gibt noch der Airbag ausgelöst wurde, weckt das Misstrauen von Oberkommissarin Johanna (Joe) Kramer von der Polizeistation Groß-Gerau, und sie überzeugt ihren Vorgesetzten, eine genauere Untersuchung des Wagens durch die Kripo Rüsselsheim zu veranlassen. Und tatsächlich – der Wagen wurde manipuliert. Der Rüsselsheimer Kriminalhauptkommissar Frank Ulrich Nachtwey weiß das Gespür der jungen Kollegin zu schätzen und beteiligt Joe an den Ermittlungen – ihr Traum, zur Kripo zu wechseln, wird beflügelt.

Doch zuvor gibt es, eine Menge Spuren zu verfolgen und Motive zu klären. Einige bizarre Aktivisten der Bürgerinitiative gegen den Bau der Autofabrik könnten ebenso ein Motiv haben wie auch die Konkurrenz in Rüsselsheim. Oder geht es um persönliche Verwicklungen? Welche Rolle spielt die bildhübsche PSA-Marketingfrau Jeanne Cassel, die mit Maxim die Nacht vor seinem Tod verbracht hat. Aber was ist mit dem schrägen Drohnenbauer Horst Schadt (direkt beim Unfall hat ein Zeuge eine Drohne gesehen)?

Die Autor/inn/en legen geschickt zahlreiche Spuren aus und bringen die Polizei bei den umfangreichen Ermittlungen gehörig ins Schwitzen. Schließlich sind es die Kombinationsgabe und Intuition von Joe Kramer, die den Durchbruch bringen und auch weiteren Schaden für Leib und Leben abwenden. Hier liegt auch das Besondere dieses Krimis. Mit Joe Kramer wurde eine sympathische und kluge Kommissarin erschaffen, die ihre Ziele ebenso wie ihre Zweifel hat, die ebenso selbstbewusst wie lernend sein kann – sowohl beruflich als auch in der Beziehung mit ihrer Freundin Simone – eine echt starke Figur. Man wünscht sich weitere Fälle für Joe Kramer. Und natürlich produziert der Krimi für Groß-Gerauer jede Menge lebendiger Bilder – die B44, das Hotel Adler, das Wallerstädter Gasthaus „Zum Löwen“, die Fasanerie und Schloss Dornberg. Und das Bemerkenswerte – dieser spannende Krimi hat 20 Mütter und Väter – eine Schreibwerkstatt der Kreisvolkshochschule Groß-Gerau, die in nur gut einem Jahr unter Anleitung der erfahrenen Autoren Gerd Fischer und Marc Rybicki dieses Erstlingswerk von „Viola Haas“ (steht für VHS) hervorgebracht hat. Unbedingt lesen!

Land: Deutschland
Genre: Krimi
Verlag: mainbook, Frankfurt
Jahr: 2018
Seiten: 207
Rezension von HK am 09.12.2018

Hans Pleschinski

Hans Pleschinski: Wiesenstein

Gerhart Hauptmann muss wegen der Bombenangriffe im März 1945 sein Sanatorium in Dresden verlassen und flüchtet sich mit seiner Frau Margarete, der Sekretärin Annie Pollak und dem Masseur Paul Metzkow in seine Villa Wiesenstein im Riesengebirge. Einige enge Bekannte aus der Umgebung von Agnetendorf kommen noch hinzu. Dort erleben sie – gemeinsam mit den Hausangestellten – das Ende des 2. Weltkriegs, die Auflösung der Nazi-Herrschaft, die mörderische Rache der Sieger, Chaos, Plünderungen, das Aussetzen jeglicher Ordnung, die Übernahme der öffentlichen Gewalt durch die Sowjetarmee und schließlich durch die polnischen Autoritäten. Jedoch bleiben die Bewohner/innen der trutzigen Villa weitgehend unbehelligt von diesen Bedrohungen – geschützt durch die Berühmtheit des Literatur-Nobelpreisträgers, der durch Werke wie „Die Weber“ auch bei den Sowjets hohe Anerkennung besitzt.

Von außen betrachtet erscheint dieser Kosmos eigentümlich irreal. Mitten in den Schrecken des Krieges wird aus Hauptmanns Werken rezitiert, werden Filmabende veranstaltet und Hauptmann selbst arbeitet – obwohl schwerkrank – weiterhin an seinem letzten Werk. Die Vorräte an Lebensmittel – ergänzt durch Lieferungen umliegender Bauern, die sich wiederum von der Anwesenheit Hauptmanns einen gewissen Schutz erhoffen – bewahren die Gesellschaft in der Villa vor dem gröbsten Hunger. Selbst ein Gärtner Dorn und ein uniformierter Hausdiener Pietsch setzen unbeirrt ihre Arbeit fort. Doch über allem steht der Zweifel, wie lange dies noch geht und wieviel offizielle Schutzbriefe zukünftig wert sind. Und schließlich beginnt auch die Deportation der deutschen Bevölkerung aus den nun polnischen Gebieten.

Durch viele in der Villa geführte Gespräche und gedankliche Reisen Hauptmanns wird dieser Roman auch zu einer Biografie des Schriftstellers. Die Erinnerungen an seine Werke und zahlreiche Zitate fügen ein Stück Werkgeschichte hinzu. Schon das macht dieses flüssig und klar geschriebene Buch schon lesenswert. Hinzu kommt die sehr realistische und einprägende Schilderung der Ereignisse und der Schicksale der Menschen in den grausamen Endkriegswirren. Wer diesen grandiosen Roman liest, will nie wieder Krieg.

Land: Deutschland
Genre: Roman
Verlag: C.H. Beck, München
Jahr: 2018
Seiten: 552
Rezension von HK am 03.12.2018