Heinrich Krobbach und Bücher
StartBücherLinkseMailImpressumDatenschutz

Hallo und herzlich willkommen auf meiner Webseite!

Hier gibt es mich zu sehen und zu lesen.

Für Literaturliebhaber/innen meine Rezensionen gelesener Bücher. Über viele und nette Kommentare freue ich mich.
Rechts übrigens die neuesten Rezensionen.

Wer sich wundert, dass neuerdings so viele Krimis auftauchen. Seit dem Superstart der VHS-Lesungen "Tod im Turm" bekomme ich massenhaft Empfehlungen - ich bin sozusagen fast im Krimi-Lese-Stress. Aber es gibt auch immer wieder unblutige Literatur.

Ich suche natürlich auch Gäste für meine Ferienwohnung am schönen Traunsee (Österreich, Salzkammergut).

Viel Spaß beim Surfen
Heinrich Krobbach

Neue Bücher
(auf den Titel klicken)

Tomas Espedal

Tomas Espedal: Das Jahr

Der Schriftsteller Tomas (53 Jahre) aus Bergen berichtet von seinem Leben – Wanderungen in der Provence, Lesereisen, gelegentliche Nächte mit Frauen, gemeinsame Feste mit Freunden, das Donnerstag-Abendessen-Ritual mit seinem Vater uvm. Doch über allem schwebt seine unüberwindbare Liebe zu Janne, die ihn verlassen hat und nun mit einem Freund von ihm zusammenlebt. Er will ein neues Leben, doch er kann nicht leben ohne Janne. Melancholie wechselt sich ab mit Alkoholabstürzen, Hass und Todessehnsucht.

Das Jahr, so der Titel – beschrieben werden die Ereignisse in den Kapiteln Frühling und Herbst in einer Art Tagebuchstil. Dessen eigenwillige Zeilenumbrüche, die entfernt an ein Versmaß (ist aber keins) erinnern, bremsen den Lesefluss und schaffen gerade dadurch eine dichte Erzählatmosphäre. Sprachlich finde ich das originell und dem Thema sehr förderlich. Das Thema selbst, die verlorene Liebe, wird nicht gelöst. Die Verweise auf den Renaissance-Dichter Petrarca und dessen unerfüllte Liebe zur jungen Laura beleuchten höchstens den Aspekt, ob man(n) mitten im viralen Leben der (körperlichen) Liebe abschwören kann. Ehrlich gesagt, ein nettes literarisches Einsprengsel, während die Verzweiflung unaufhaltsam ihren Gang geht – und den Leser gerührt und verstört zurücklässt. Ich habe es mal bei Roman eingeordnet, obwohl es eigentlich keiner ist.

Land: Norwegen
Genre: Roman
Verlag: Mathes & Seitz, Berlin
Jahr: 2019
Seiten: 196
Rezension von HK am 06.10.2019

Alexander Schaub

Alexander Schaub: Der Engelmacher von Frankfurt

Ein Serienkiller ermordet in Frankfurt junge, langhaarige, blonde Frauen nach einem grausigen Ritual. Die Polizei tappt im Dunklen und Ex-Kripokommissar und Privatdetektiv Tom Martini weil Katja, das erste Opfer, mit ihm wie eine Schwester aufgewachsen ist. Doch bald muss er spüren, dass die Mordserie näher an ihm ist als gedacht. Mit allen Opfern hatte er (der umtriebige Single) kurze Zeit vorher Sex – und schließlich gerät er selbst in Verdacht. Der wirkliche Killer scheint seinen Verfolgern immer einen Schritt voraus, treibt ein tückisches Verwirrspiel und räumt mit brutaler Gewalt jeden Gegner aus dem Weg. Es dauert lange bis plötzlich klar wird, um wen es sich handelt. Dem folgt noch ein dramatischer Showdown im Frankfurter Dom.

Hochspannung ist garantiert durch die durchgängig lauernde Lebensgefahr für alle, die dem „Engelmacher“ in die Quere kommen. Ich habe nicht gezählt, aber zweistellig ist die Zahl der Leichen auf alle Fälle. Das – und die Details der Grausamkeiten – muss man mögen, um den Krimi gut zu finden. Das psychologische Motiv des krankhaften Killers ist (wie so oft) recht weit hergeholt. Der Plot ist recht gut konstruiert, nur mit entsprechender Krimi-Rätsel-Erfahrung kann man jedoch bald ahnen, wer es ist. Wie das geht, wird jedoch nicht verraten.

Land: Deutschland
Genre: Krimi
Verlag: mainbook, Frankfurt
Jahr: 2015
Seiten: 210
Rezension von HK am 03.10.2019

Maike Wetzel

Maike Wetzel: Elly

Das Ehepaar Hamid und Judith lebt mit ihren Töchtern Ines und Elly in Rüsselsheim (erkennbar am genannten Stadtteil Dicker Busch). Die elfjährige Elly fährt mit dem Rad zum Judotraining und verschwindet spurlos. Für die Familie beginnt eine Zeit des Bangens und Hoffens, der Trauer und Verzweiflung, die sie bis an den Rand des psychisch Erträglichen und darüber hinaus treibt. Darf man glücklich sein, wenn Elly vielleicht tot ist? Die Familie zerfällt, doch dann taucht Elly nach vier Jahren wieder auf. Vermutlich traumatische Erlebnisse haben sie zu einer anderen Person gemacht. Dann folgt noch eine Wendung.

Und die zentrale Frage ist, wieviel Leid man aushalten kann, ohne zu zerbrechen. Vorsicht – dieser Roman tut richtig weh. In kurzen Sätzen, die wie gehämmert wirken, entwickelt die Autorin eine Sprachgewalt, die den Leser regelrecht anspringt. Ihm keine Chance lässt, dem unendlichen Leid und den Abgründen emotional auszuweichen. Eine todtraurige Geschichte, aber ganz starke Literatur.

Land: Deutschland
Genre: Roman
Verlag: Schöffling, Frankfurt
Jahr: 2018
Seiten: 152
Rezension von HK am 30.09.2019

Jan Peter Bremer

Jan Peter Bremer: Der junge Doktorand

Der alternde Maler Günther Greilach lebt mit seiner Frau Natascha am Rande einer Kleinstadt in einer Wassermühle. Endlich erscheint der lange schon angekündigte „junge Doktorand“, der seine Dissertation über Greilachs Werk schreiben will. Doch davon ist zunächst gar keine Rede. Beflügelt von viel Alkohol schwadroniert der egozentrische Greilach über das Wesen der Kunst und seiner Malerei. Dabei wird er ständig von seiner streitlustigen Frau unterbrochen und lächerlich gemacht. Der junge Doktorand steht diesem bösartigen Zwist des zerrüttenden Ehepaars ziemlich hilflos gegenüber und kann sich auch nur unzureichend gegen die beidseitigen Versuche, ihn zu vereinnahmen, wehren. Doch dann folgt noch eine überraschende Wende, die allerdings die Situation auch nicht entspannen kann.

Sprachlich war es ein Lesegenuss. Die Phasen der (stillen und lauten) abschweifenden Monologe sowohl von Günther als auch Natascha, die artikulieren, wie weit sie voneinander entfernt sind, werden wechselseitig immer von trockenen Bemerkungen ins Hier und Jetzt geholt. Und dies ist erbärmlich. Auf der einen Seite der hochmütige Egoist, der seine Frau zur Hausmagd degradiert, und auf der anderen Seite die enttäuschte Frau, die regelrecht Gift verspritzend ihren Mann herabwürdigt. Das war’s. Die Geschichte des jungen Doktoranden kommt ebenfalls vor, berührt aber ganz andere Lebensthemen. Hätte man ihn in diesem Kammerstück eigentlich gebraucht? Fazit – es war ganz nett zu lesen, aber berührt hat mich daran nichts. Aber stand halt auf der Longlist für den deutschen Buchpreis.

Land: Deutschland
Genre: Roman
Verlag: Berlin Verlag, Berlin
Jahr: 2019
Seiten: 176
Rezension von HK am 28.09.2019

Ulrich Woelk

Ulrich Woelk: Der Sommer meiner Mutter

Der elfjährige Tobias lebt mit seinen Eltern (Ingenieur Walter und Hausfrau Eva Ahrens) in einem Einfamilienhaus am Kölner Stadtrand. Die Mondlandung steht kurz bevor (wird von Vater und Sohn gespannt im Fernsehen verfolgt), Tobias freut sich riesig über seine erste Jeans und Eva fühlt sich von ihrem Mann im Schlafzimmer bedrängt. Zu dieser normalen Familie des Jahres 1969 gehören noch der ehemalige Kampfpilot Onkel Hartmut und die dem Alkohol zugeneigte Tante Mechthild. Bewegung ins Leben kommt, als die neuen Nachbarn einziehen – der kommunistische Philosophieprofessor Wolf Leinhard und seine lebenslustige Frau und Übersetzerin von englischen Romanen Uschi mit 13jähriger Tochter Rosa. Trotz der recht unterschiedlichen politischen und Lebensauffassungen freunden sich die Familien an. Mehr noch, es entsteht eine kaum unterschwellige erotische Anziehung zwischen Wolf und Eva sowie zwischen Walter und Uschi. Und Tobias macht mit der geistig und körperlich schon recht reifen Rosa seine ersten sexuellen Erfahrungen. Doch dann geraten die Ereignisse aus dem Ruder und überfordern die Vorstellungen der Beteiligten hinsichtlich Moral und Toleranz.

Das die Geschichte tragisch endet, erfährt man (leider) schon auf der ersten Seite. Denn was sich in diesem summer of love abspielt, wird sehr berührend geschildert. Trotz aller Gegensätze begegnen sich Kommunisten und Bürgerliche, Mezze und Grillwurst, klassisches und emanzipiertes Familienbild vorurteilslos und zugewandt. Wie es den einzelnen Personen dabei (auch bei Konflikten) geht, wird einfühlsam und fast zärtlich beschrieben. Mittendrin also eine schöne Geschichte, die noch länger hätte gehen können.

Land: Deutschland
Genre: Roman
Verlag: C.H. Beck, München
Jahr: 2019
Seiten: 189
Rezension von HK am 27.09.2019