Heinrich Krobbach und Bücher
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Hallo und herzlich willkommen auf meiner Webseite!

Hier gibt es mich zu sehen und zu lesen.

Für Literaturliebhaber/innen meine Rezensionen gelesener Bücher. Über viele und nette Kommentare freue ich mich.
Rechts übrigens die neuesten Rezensionen.

Wer sich wundert, dass neuerdings so viele Krimis auftauchen. Seit dem Superstart der VHS-Lesungen "Tod im Turm" bekomme ich massenhaft Empfehlungen - ich bin sozusagen fast im Krimi-Lese-Stress. Aber es gibt auch immer wieder unblutige Literatur.

Ich suche natürlich auch Gäste für meine Ferienwohnung am schönen Traunsee (Österreich, Salzkammergut).

Viel Spaß beim Surfen
Heinrich Krobbach

Neue Bücher
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Michel Houellebecq

Michel Houellebecq: Serotonin

Florent-Claude Labrouste, 46 Jahre, finanziell gut ausgestatteter Berater des Landwirtschaftsministeriums, gibt seinen Job auf und verlässt seine Geliebte Zuzu, indem er seine Wohnung, in der sie mit ihm lebt, heimlich kündigt und spurlos verschwindet. Er mietet sich in einem anderen Stadtviertel von Paris in ein kleines Hotelzimmer ein und verbummelt die Zeit. Er hat eine Depression und schluckt Captorix, das ihn impotent macht. Dem will er sowieso abgeschworen haben, seine Gedanken kreisen aber ständig um dieses Thema. In Rückblenden berichtet er dem Leser von den Frauen in seinem Leben, wobei die Beziehungen immer scheiterten, weil er immer davon ausging, dass es so sein muss. Auch Gründe für seine Depression erfährt man nicht. So strebt er zuverlässig dem Tode entgegen.

Also zerbrochene Beziehungen und Depression im Stil der Self-Fulfilling-Prophecy. Irgendein unbestimmbares Leiden am Leben und der Welt, vielleicht ein diffuser Verlust von Ursprünglichkeit (z.B. Landwirtschaft). Gesellschaftskritik wird daraus aber noch nicht. Der Überdruss gegenüber den meisten seiner Ex-Frauen sowie die kranken Fantasien hinsichtlich Camille eher frauenverachtende Gedankenauswüchse. Es gab schon intelligenteres (Gejammer) von Houellebecq.

Land: Frankreich
Genre: Roman
Verlag: Dumont, Köln
Jahr: 2019
Seiten: 330
Rezension von HK am 08.04.2019

Michael Kibler

Michael Kibler: Abendfrost

Im Darmstädter Seniorenstift Goldenstern (eher für betuchte Bewohner/innen) kommt eine alte Dame durch einen tödlichen Sturz ums Leben. Für Leah Gabriely und Steffen Horndeich von der Darmstädter Mordkommission ein komplizierter Fall. Schließlich war die ehemalige Star-Harfenistin sehr vermögend und gleich eine Reihe von Beschäftigten des Stifts und auch möglichen Erben hätte ein Motiv haben können. Doch dann entdeckt der knorrige Gerichtsmediziner Hinrichs, dass die Frau mit Frostschutzmittel langsam vergiftet wurde. Eine mühsame und kleinteilige Recherche, besonders vom findigen IT-Spezialisten der Kripo, Richard Feller vorangetrieben, die schließlich auf die Spur eines monströsen und mörderischen Systems führt.

Auch wenn die Recherche „mühsam und kleinteilig“ ist, so wirkt sich dies gewiss nicht auf das Lesevergnügen aus. Der Leser kann schlüssig mitkombinieren und die Spannung wird durchgehend gehalten, etwa in der ersten Hälfte mit der Frage, wer es war, und danach mit jener, wie es zuweisen ist und der/die Täter/in dingfest gemacht werden kann. Also einfach sauberes Krimihandwerk. Eher nebenbei wird das politische Thema aufgeworfen, wie Pflegebedürftige ohne Millionen auf dem Konto eine menschenwürdige Betreuung im Alter gesichert werden kann. Darmstädter Lokalkolorit und einige Beziehungs- und Liebesgeschichten der Kripo-Leute runden die Sache ab. Steffen Horndeichs tragische Kindheitsgeschichte, die den Bruch mit seiner Mutter nach sich zog, jedoch wirkt zwar anrührend, aber im Endeffekt doch etwas konstruiert.

Land: Deutschland
Genre: Krimi
Verlag: Piper, München
Jahr: 2018
Seiten: 368
Rezension von HK am 29.03.2019

Uli Aechtner

Uli Aechtner: Die Bach runter

Ein Schäfer in der Wetterau findet einen ausgesetzten Säugling. Die öffentliche Suche nach den Eltern löst eine Riesenwelle an Mitgefühl aus, so dass das Krankenhaus, in dem sich das kleine Mädchen befindet, mit mehr oder weniger passenden Geschenken überschüttet wird. Auch Lucca Heisterkamp taucht mit einem Riesenteddy auf, und der zufällig anwesende Kommissar Christian Bär verliebt sich in die attraktive und sportliche Frau. Der Journalistin Roberta, die mit Bär in einer undefinierten Freundschaft verbunden ist, gefällt dies natürlich nicht. Doch sie hat gerade mit Marvin, dem unangepassten Nachbarsjungen, der ihr immer wieder Lebensmittel klaut, zu kämpfen. Dann wird in der Nidda die Leiche eines Schönheitschirurgen gefunden, der offenkundig von einer Pfeilspitze verletzt wurde.

Das mag unzusammenhängend klingen, ist es aber natürlich nicht. Die Autorin erweist sich als Meisterin des slow crime; sie erzählt auf zwei Dritteln des Buches Geschichten, die so gut wie nicht verraten, um was es eigentlich (kriminalistisch) geht, die aber dennoch fesseln und Spannung aufbauen. Zum Schluss fügt sich alles (nach einer überraschenden Wende) in einem skurrilen Showdown. Daneben gibt es tiefe Einblicke in die Prepper-Szene (Menschen, die sich angesichts kommender Klima- und anderer Katastrophen mit Vorräten und Utensilien zum Überleben eindecken) und in die Abgründe der Schönheitschirurgie. Sehr zeitgemäß wird en passant das Problem eingeflochten, dass die Polizei schon Handyfotos von Leichen im Internet finden kann, bevor sie selbst zum Tatort kommt. Und schließlich die Homestory: Bärs sympathische Nichte Amelie als Ausreißerin und Roberta und Bär in ihrer Äppelwoiwirtschaft. Einfach schön!

Land: Deutschland
Genre: Krimi
Verlag: emons, Köln
Jahr: 2019
Seiten: 224
Rezension von HK am 22.02.2019

Robert Maier

Robert Maier: Virus Cop

Der Physik-Student Benjamin wird nachts am Frankfurter Nidda-Uferweg erschlagen. Dessen Freundin gibt an, dass er hohe Schulden hatte, und so ermittelt die Kripo im zwielichtigen Inkasso-Milieu – allerdings erfolglos. Olaf, pensionierter IT-Experte und Vater des bisher erfolglosen Jung-Kommissars Tobias, will seinem Sohn helfen. Mittels eines selbstprogrammierten Programms (Virus-Cop) zieht er sich heimlich Nachrichten vom Handy seines Sohnes und nutzt die Informationen für eigene Ermittlungen. Als angeblicher Onkel Benjamins erforscht er dessen Umfeld, besonders an der Uni Frankfurt, und stößt dabei auf seltsame Verhältnisse zwischen Studenten und Professoren und skrupellose Konkurrenz unter Wissenschaftlern. Nach Sex and Crime und Situationskomik im Äppelwoi-Milieu wird es am Ende richtig gefährlich, bevor der Fall gelöst wird.

Ein Krimi der netten Sorte. Gerne liest den flotten Schreibstil über alte Männerfreunde mit Witz, die beim Äpppelwoi Mörder jagen. Hie und da scheinen die Verdachtsmomente etwas weit hergeholt. In Kern aber ein interessanter Plot zu kriminellen Machenschaften in der Wissenschaft. Ebenso interessant fand ich das Element mit dem Virus-Cop, und zwar besonders, dass der sein Eigenleben entwickelt und Olaf zeitweise die Kontrolle darüber verliert. Zeitweise dachte ich, dass sei der eigentliche Plot, doch die Sache verläuft eher im Sand. Wäre sicher spannend gewesen, diesen Aspekt auszubauen. Aber insgesamt spannend waren die knapp 200 Seiten.

Land: Deutschland
Genre: Krimi
Verlag: mainbook, Frankfurt
Jahr: 2019
Seiten: 196
Rezension von HK am 16.02.2019

Michael Opoczynski

Michael Opoczynski: Schmerzensgeld

Berliner Autofahrer werden durch fingierte Unfälle finanziell geschröpft und können sich juristisch nicht wehren. Diese und andere Opfer von Ungerechtigkeiten finden in der Gesellschaft für unkonventionelle Maßnahmen einen kreativen und wirksamen Helfer. Ein Team aus Spezialisten (IT-Experte, Kampsportler, Ex-LKA-Beamter usw.), finanziell gut ausgestattet durch das Vermögen ihres Gründers übt im Namen der Opfer Vergeltung. Doch ihr größter Coup richtet sich gegen das Treiben der privatisierten Städtebank bzw. des Ex-Vorstandsvorsitzenden Wilhelm von Tretter. Hunderte Kleinsparer wurden zu riskanten Investments verführt und verloren ihr Geld, während sich die Vorstände die Taschen füllten. Ein ausgeklügelter Plan nimmt seinen Lauf.

Das ist mal ein Krimi der anderen Art. Kein Täter wird gesucht, sondern der bekannte Bösewicht wird mit unkonventionellen Maßnahmen (wie der Name der Gesellschaft schon sagt) zur Strecke gebracht. Und nebenbei beleuchten die Recherchen im Detail, mit welch üblen Methoden Finanzhaie die Kleinsparer übers Ohr gehauen haben. Doch bei aller moralischen Sympathie für das – ebenso sympathische – Team der Gesellschaft wirft der Krimi auch die Frage nach der Legitimation privater Vergeltung auf. Jedenfalls haben der abgedrehte Plan und die gut gehaltene Spannung durchgehendes Lesevergnügen bereitet.

Land: Deutschland
Genre: Krimi
Verlag: Benevento, Salzburg - München
Jahr: 2018
Seiten: 288
Rezension von HK am 29.01.2019