Heinrich Krobbach und Bücher
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Hallo und herzlich willkommen auf meiner Webseite!

Hier gibt es mich zu sehen und zu lesen.

Für Literaturliebhaber/innen meine Rezensionen gelesener Bücher. Über viele und nette Kommentare freue ich mich.
Rechts übrigens die neuesten Rezensionen.

Wer sich wundert, dass neuerdings so viele Krimis auftauchen. Seit dem Superstart der VHS-Lesungen "Tod im Turm" bekomme ich massenhaft Empfehlungen - ich bin sozusagen fast im Krimi-Lese-Stress. Aber es gibt auch immer wieder unblutige Literatur.

Ich suche natürlich auch Gäste für meine Ferienwohnung am schönen Traunsee (Österreich, Salzkammergut).

Viel Spaß beim Surfen
Heinrich Krobbach

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Gerd Fischer

Gerd Fischer: Ebbelwoijunkie

Der EU-Politiker Hans-Georg Schumann will per EU-Verordnung die Höchstmenge des zu konsumierenden Apfelweins auf 200ml pro Tag beschränken und außerdem die Bezeichung als Apfel-“Wein“ verbieten lassen. Einleuchtend, dass er in Frankfurt nicht auf helle Freude trifft. Doch er erscheint nicht zu den Gesprächen und wird am nächsten Morgen erwürgt und auf dem Bullen vor der Börse festgebunden gefunden. Ein Ritualmord? Oder Rache eines Apfelweinfreundes? Denn die Obduktion ergibt, dass ihm Apfelwein in den Hals gespritzt wurde. Und schon wird der Kelterer Karl Wöhr festgenommen. Alle Indizien sprechen gegen ihn, Polizeidirektor Markowsky schließt den Fall – einzig Kommissar Andreas Rauscher glaubt nicht daran.

Es kommt zum lautstarken Streit, und Rauscher wird vom Dienst suspendiert. Doch (natürlich) ermittelt er weiter und nimmt – mit nichts als Intuition – Schumanns Ehefrau Corinna und dessen Assistenten Lennart Friedrichs ins Visier. Eher haltlose Besessenheit zur Bestätigung des eigenen Egos als vernünftige Polizeiarbeit. Dann werden sein Sohn Max entführt und er mit der Aufforderung konfrontiert, die Nachforschungen einzustellen. Dies löst eine existenzielle Familienkrise aus. Ob das und was davon gut ausgeht…?

Zeitweilig fragt sich der Leser schon, ob Andreas Rauscher sie noch alle hat. Zu irrsinnig, berserkerhaft und irrational führt er sich alle 5 Seiten auf, als dass es noch als realitätsnah wahrgenommen werden kann. Das beeinträchtig aber kaum die Spannung des flott geschriebenen Krimis, die sich am Ende zum Nervenkitzel steigert. Am besten mit einigen Äpplern lesen.

 

Land: Deutschland
Genre: Krimi
Verlag: mainbook, Frankfurt
Jahr: 2017
Seiten: 238
Rezension von HK am 26.05.2018

Marc-Uwe Kling

Marc-Uwe Kling: QualityLand

Wir befinden uns etwa in der Mitte des 21. Jahrhunderts. Die Geschichte spielt in Quality Land (die alten fantasielosen Namen der Länder wurden ersetzt). Peter Arbeitsloser (Nachnamen entsprechen dem Beruf des Vaters bzw. bei Frauen nach dem der Mutter vergeben) bekommt per Drohne ein Paket von TheShop, dem weltgrößten Versandhändler zugestellt. Bestellt hat er nichts, aber das ist in QualityLand nicht notwendig, denn die Algorithmen wissen, was wer sich wünscht (bewusst oder unbewusst). Das Paket enthält einen rosafarbenen, delphinförmigen Vibrator. Und nun beginnt Peters Feldzug gegen die Mächtigen dieser Welt. Es geht um die Definitionsmacht über seine Wünsche, Gefühle, Eigenschaften und Identität – und, ob es ihm gelingt, den Vibrator zurückgeben zu können. Doch zunächst muss er Rückschläge hinnehmen. Seine Freundin Sandra Admin trennt sich von ihm bzw. wird von QualityPartner (weltgrößtes Partnerportal) von ihm getrennt. Denn QualityPartner weiß besser, wer zueinander passt, als die Menschen selbst. Peter wird nun auch im persönlichen Level von 10 auf 9 heruntergestuft, und nun gilt der Maschinenverschrotter als „Nutzloser“.

Denn diese Gesellschaft ist keineswegs gleich, worauf Politiker hinweisen. Aus dem ursprünglich gedachten Namen „EqualityLand“ wurde aus Marketingzwecken das „E“ weggelassen. Tatsächlich gibt es ein Qualityparlament und auch Wahlen. Die stehen an, weil die derzeitige Präsidentin nach Berechnungen der Algorithmen in 16 Tagen stirbt. Die Fortschrittspartei landet einen Coup mit der Nominierung von John of Us als Kandidat – er ist kein Mensch, sondern Androide. Ein besitzt die höchste Rechenkapazität und folgt ausschließlich der Logik. Und ausgerechnet diese Maschine fordert im Wahlkampf ein Grundeinkommen, eine Maschinensteuer und eine Finanztransaktionssteuer (ein Schelm, wer Linkes dabei denkt) und bringt die Mächtigen gegen sich auf.

Es gibt noch etliche weitere Handlungsstränge in diesem Roman. Sie bewegen sich thematisch alle auf der Grenzlinie, wie sich Menschen (noch) von Maschinen (Algorithmen) unterscheiden, und nach dem Muster, dass heute bekannte Entwicklungen (TheShop = Amazon?, Everybody = Facebook?, Qualitypartner = ???) 2-3 Rädchen weitergedreht werden. Überdeutlich wird dabei, dass die Eindimensionalität der herrschenden Marketingreligion und die Alternativlosigkeit der herrschenden Politik nichts als Ideologie zugunsten der Herrschenden sind. Und – Kompliment!!! – es ist unglaublich witzig geschrieben.

 

Land: Deutschland
Genre: Roman
Verlag: Ullstein, Berlin
Jahr: 2017
Seiten: 384
Rezension von HK am 21.05.2018

Regula Portillo

Regula Portillo: Schwirrflug

Die Schwestern Alma und Judith (beide Mitte/Ende 20) lösen den Haushalt ihrer verstorbenen Eltern Ruth und Markus auf. Dabei stoßen Sie auf zahlreiche Dokumente und Briefe über die Zeit ihrer Eltern zu Beginn der 1980er Jahre als Brigadisten in Nicaragua. Viele Menschen aus aller Welt wollten damals die Entwicklung des kleinen mittelamerikanischen Landes nach dem Sieg der sandinistischen Revolution über die Somoza-Diktatur unterstützen. Und auch durch ihre Anwesenheit einen öffentlichkeitswirksamen Schutz gegen die Angriffe der von den USA finanzierten Contra bieten. Alma und Judith, die bislang nichts von diesem Engagement wussten, beschließen, auf den Spuren ihrer Eltern Nicaragua zu bereisen.

In wechselnden Kapital schildert das Buch die Ereignisse während des achtmonatigen Aufenthalts von Ruth und Markus sowie die Reise von Almut und Judith. Herausgekommen ist eine Hommage an die Hoffnungen der Menschen auf ein Leben in Frieden, Freiheit, Solidarität und sozialer Sicherheit nach jahrzehntelangem Leid und Tod unter der Diktatur. Es sind die einzelnen Menschen (sowohl Nicaraguaner als auch Brigadisten), die die Autorin ebenso einfühlsam wie differenziert beschreibt. Dies jedoch nicht unkritisch – die Schilderung von Schwächen, Ängsten und Verstrickungen vermeidet ideologische Heroisierungen. Abgerundet wird dies durch kritische Würdigungen sowohl der damaligen Politik der sandinistischen Regierung als auch der zynisch-ignoranten Politik auch europäischer Länder, die dem US-initiierten Contra-Krieg gegen die Bevölkerung tatenlos zusahen. Schließlich ist es aber auch ein anrührender Roman, der den Untertitel „Annäherung an die Eltern“ tragen könnte.

 

Land: Deutschland
Genre: Roman
Verlag: Bücherlese, Luzern
Jahr: 2017
Seiten: 248
Rezension von HK am 16.05.2018

Uwe Wittstock

Uwe Wittstock: Karl Marx beim Barbier

Das Frühjahr des Jahres 1882 (ein Jahr vor seinem Tod) verbringt Karl Marx in Algier, um seine Lungenkrankheit auszukurieren. Doch statt des erwartenden angenehmen Wetters ist der Aufenthalt von Regen und Kälte geprägt. Auch verschlimmert sich sein Zustand zunächst und beschränkt seinen Aufenthalt weitgehend auf Bett und Pensionszimmer. So erfahren wir nur etwas über seinen düsteren Gemütszustand (seine Frau Jenny ist kurz vorher gestorben), recherchiert aus Briefwechseln mit seinen Töchtern und Friedrich Engels. Eingeflochten in diese 8 Kapitel über die Zeit in Algier sind 8 weitere über sein Leben vom Schüler und Studenten über den Wissenschaftler / Theoretiker / politischen Agitator bis hin zum Ehemann, Vater und schließlich Witwer.

Herausgekommen ist – dank der sprachlich präzisen und klaren Beschreibungen des Autors – eine eingängige und gut lesbare Biografie über Karl Marx. Wer sich einen kurzen, aber dennoch differenzierten Überblick zu Person und Leben des „Revolutionärs“ verschaffen will, ist hier genau richtig. Ebenso jener, der einen ersten Eindruck in das Denken und Theoriegebäude von Marx, inklusive seines historischen und geisteswissenschaftlichen Entstehungskontextes, bekommen möchte. Uwe Wittstock hat dies alles in einer Fleißarbeit fakten- und erkenntnisreich zusammengetragen und auch mit eigenen Kommentaren (die man nicht immer teilen muss) kritisch aus heutiger Perspektive beleuchtet. Eine informative Biografie und ein Lesegenuss!

 

Land: Deutschland
Genre: Biografie
Verlag: Blessing, München
Jahr: 2018
Seiten: 288
Rezension von HK am 30.04.2018

Jan Zweyer

Jan Zweyer: Starkstrom

„Kern-Europa“ (von Italien gehört nur noch Groß-Tirol dazu, von Spanien nur Katalonien) hat sich im Jahr 2030 durch einen hochtechnisierten Zaun gegen jegliche Migration abgeschottet. Aufgegriffene Flüchtlingen werden wegen versuchten illegalen Grenzübertritts sofort abgeschoben oder zu Hunderttausenden in „Transitzentren“ interniert. Raus kommt hier nur, wer sein Herkunftsland preisgibt (und dann abgeschoben wird) oder bei der monatlichen Lotterie einen von 500 Berechtigungen zur Einreise erhält. Doch das ist den verantwortlichen Politikern, wie Staatssekretär Grinter im deutschen Innenministerium, nicht genug. Gemeinsam mit Hagedorn, Vorstand des Zaunbetreibers GoFeCo (Good Fence Cooperation) verfolgt er einen irren Plan, Flüchtlinge noch stärker abzuschrecken. Doch dabei geht einiges schief – ein Mitarbeiter kommt am Zaun durch Stromschlag zu Tode und die Öffentlichkeit fragt sich, warum dort auch ein totes Schwein gefunden wurde. Auch intern drohen Grinter Probleme, denn sein Referent Baader interessiert sich zu sehr für sorgsam gehütete Geheimnisse – und muss dies mit dem Leben bezahlen.

Als Parallelhandlung reist die Journalistin Karla Touré mit dem Fotografen Ben zu einer Recherche über Flüchtlinge, Fluchtursachen und Schlepperorganisationen in den Senegal und nach Niger. Nach einem abenteuerlichen Verlauf, auch über Tripolis und Palermo, schmuggeln sie einen Flüchtling durch den Zaun. Zurück in Hamburg versuchen sie Awa Mané, die dort lebende Frau und „Kassenwartin“ des nigerianischen „Schlepperkönigs“ zu befragen und stoßen auf personelle Verbindungen zur Grenzzaun-Connection. Zusammen mit der BKA-Kommissarin Julia, Nielsen, die den Tod ihres Freundes Baader aufklären will und auch die Schwester von Karlas Ex-Mann Peter Nielsen (leitender Angestellter bei GoFeCo) ist – hier wird in der Konstruktion der Handlung der Zufall vielleicht etwas zu sehr bemüht – stoßen sie auf eine äußerst unappetitliche Verquickung von Politik und Wirtschaft, bei der es um sehr viel Geld auf Kosten von sehr viel Menschen geht.

So, das war der Versuch, wenigstens den groben Verlauf dieses opulenten Kriminalromans darzustellen. Aber trotz vieler Verästelungen behält man immer den Überblick, was wie zusammengehört. Außer natürlich, was die Auflösung betrifft. Hier bekommt der Leser jeweils die gesunde Portion Ahnung, um der Erkenntnis am Schluss entgegenzufiebern. Also richtig spannend geschrieben. Und schließlich leuchten die „Verästelungen“ sehr gut die Verhältnisse und die „Denke“ in solchen Milieus wie dem Berliner Politikbetrieb aus. Oder schildern mit Empathie das Elend afrikanischer Dörfer, das die Menschen dort in die Flucht treibt. Auch die handelnden Figuren werden differenziert und sehr lebendig gezeichnet. Und schließlich eine deutliche Warnung, wo es hinführt, wenn man auf Kosten der Menschlichkeit den Rechtsextremen immer schneller hinterherlaufen will.

 

Land: Deutschland
Genre: Krimi
Verlag: Grafit, Dortmund
Jahr: 2018
Seiten: 282
Rezension von HK am 24.04.2018