Heinrich Krobbach und Bücher
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Hallo und herzlich willkommen auf meiner Webseite!

Hier gibt es mich zu sehen und zu lesen.

Für Literaturliebhaber/innen meine Rezensionen gelesener Bücher. Über viele und nette Kommentare freue ich mich.
Rechts übrigens die neuesten Rezensionen.

Wer sich wundert, dass neuerdings so viele Krimis auftauchen. Seit dem Superstart der VHS-Lesungen "Tod im Turm" bekomme ich massenhaft Empfehlungen - ich bin sozusagen fast im Krimi-Lese-Stress. Aber es gibt auch immer wieder unblutige Literatur.

Ich suche natürlich auch Gäste für meine Ferienwohnung am schönen Traunsee (Österreich, Salzkammergut).

Viel Spaß beim Surfen
Heinrich Krobbach

Neue Bücher
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Carola S. Ossig

Carola S. Ossig: Nebeltanz

Zuerst wird die 18jährige Tochter von Staatsanwalt Volker Schilling im Frankfurter Grüneburgpark vergewaltigt und ermordet. Kurz darauf geschieht ein weiterer Mord. Im Main wird die grausig entstellte Leiche eines ehemaligen Lehrers gefunden. Doppelte Ermittlungsarbeit ist noch das geringste Problem für Hauptkommissarin Jessica Steinfels, denn der zweite Mord ist offensichtlich der Beginn einer vom Mörder schriftlich angekündigten Serie. Erst einige Leichen weiter verdichtet sich für die Kripo der Verdacht, dass hier ein Rächer gegen Kinderschänder unterwegs ist (was der Leser aus dem Prolog leider schon vorher weiß). Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt…

Genau dieser Wettlauf ist in der Szenenfolge gut umgesetzt und sorgt für Dauerspannung bis zum Ende des Krimis. Das Thema des (systematischen) Kindesmissbrauchs wird – wenn man die Berichte der letzten Jahre über die Odenwaldschule gelesen hat – sehr realistisch dargestellt; auch was das Umfeld der Vertuscher und Wegschauer angeht. Der Plot ist ein Hochseilakt mit ständiger Absturzgefahr, aber sehr mutig inszeniert. Schwächen gibt’s beim „Personal“. Da sind viele Gute und Böse eher nur klischeehaft oder blass gezeichnet. Allein Hauptkommissarin Jessica entwickelt eine sichtbare Persönlichkeit. Ihr Ringen mit der emotionalen Betroffenheit und um die professionelle Haltung macht sie sympathischer als manchen coolen Cop aus dem Genre. Auch wenn man nicht alle ihrer, zum Teil holzschnittartigen, Reflexionen (z.B. zum Jugendstrafrecht) teilen muss. Im Hinblick auf die Work-Life-Balance wäre sicher ihre Bekanntschaft mit Nele ausbaufähig gewesen (die verliert sich leider irgendwo in der Story). Insgesamt als Erstlingskrimi richtig gut gemacht.

Land: Deutschland
Genre: Krimi
Verlag: mainbook, Frankfurt
Jahr: 2017
Seiten: 245
Rezension von HK am 18.10.2017

António Lobo Antunes

António Lobo Antunes: Ich gehe wie ein Haus in Flammen

Die inhaltsangabe kurz aus dem Klappentext: Das Buch beleuchtet das Leben von Mietern in einem "ganz normalen Mietshaus in Lissabon". Die einsame Richterin; der Ex-Oberst, der sich nach "seiner" Mulattin (damals in Angola) zurücksehnt; der Alkohiliker, der seine Frau und Tochter schlägt und deshalb von ihnen öfter ausgesperrt wird. Und noch einige mehr. Das alles könnte ein spannendes Kaleidoskop der jüngeren portugiesischen Geschichte sein, wenn es denn lesbar wäre. Der Klappentext spricht zwar zu Recht von einem "Glanzstück der polyphonen Stimmenführung" durch den Weltliteraten Lobo Antunes. Doch bei aller Anerkennung der literarischen Qualität habe ich bei Seite 97 vor dem in Satzfetzen hingeworfenen Gedankenstrom kapituliert. Ich mag schon etwas mehr verständliche Handlung, die dann auch poetisch beschrieben sein kann.

Land: Portugal
Genre: Roman
Verlag: Luchterhand, München
Jahr: 2017
Seiten: 448
Rezension von HK am 17.10.2017

Matthias Brandt

Matthias Brandt: Raumpatrouille

14 Episoden im Leben des kleinen Matthias, wohl so etwa vom 7. Bis zum 11. Lebensjahr. Der liebte Hund Gabor stirb.: Matthias quält – wie alle anderen in der Schule – einen Schulkameraden. Matthias der Zauberer, der die Gardinen in Brand setzt. Der Briefmarkensammler, Fußballtorwartversager und Fahrradbegeisterte. Eine ganz normale Kindheit Ende der 1960er Jahre. Wären da nicht auch Polizisten vor dem Haus, ein Besuch auf der Kirmes mit Wagenkolonne und Pressebegleitung, Herr Lübke als Nachbar und der kauzige Arbeitskollege des Vaters, Herr Wehner – denn Matthias ist der Sohn von Bundeskanzler Willy Brandt.

Damit ist es auch ein Bericht von der Präsenz bzw. Abwesenheit des Vaters, der sich letztlich doch als fürsorglicher erweist. Um Missverständnissen vorzubeugen – da ist auch und vorwiegend die Mutter; da ist ein Elternhaus. Ein offenherzig emotionaler Bericht. Wer jedoch Enthüllungen über das Innenleben der Prominenten erwartet, wird enttäuscht – oder muss schwer zwischen den Zeilen lesen.

Land: Deutschland
Genre: Biografie
Verlag: Kiepenheuer&Witsch, Köln
Jahr: 2016
Seiten: 176
Rezension von HK am 07.10.2017

Mirko Bonné

Mirko Bonné: Lichter als der Tag

Raimund, Floriane und Moritz sind Freunde von Kindesbeinen an. Dann kommt Inger aus Dänemark hinzu, deren Eltern beim Segelunfall ums Leben gekommen sind. Als jugendliche sind zunächst Raimund und Inger sowie Moritz und Floriane ein Paar. Dann entscheidet sich urplötzlich Inger für Moritz – und auch die „Zurückgebliebenen“ Raimund und Floriane werden ein Paar, heiraten und bekommen zwei Kinder. Daran zerbricht auch die Freundschaft der vieren. Erst viele Jahre später trifft Raimund Inger (seine eigentliche Liebe des Lebens) in Hamburg wieder. Damit bricht die unbewältigte Vergangenheit wieder auf, Lebenslügen treten zu Tage. Und gerade der eher passive, uninspirierte Raimund bricht aus zu einem – zunächst eher bizarr wirkenden – Abenteuer.

Wer denkt da nicht an Goethes Wahlverwandtschaften? Die Macht der Liebe gegen die der gewohnten Verhältnisse. Innere Leere und Zerrissenheit angesichts des Horizonts „lichter als der Tag“. Landschaft als (innere) Heimat – hier Camille Corots Gemälde „Champs de blé dans le Morvan“. Authentische Charaktere, deren Sehen, Fühlen, Handeln den Leser magisch in die Geschichte zieht. Bemerkenswerte menschliche Zugewandtheit, die der Goethesche „Mittler“ – in diesem Buch der Journalist Bruno – an den Tag legt. Und dies in einer präzisen und gefühlvollen Sprache, die ohne poetischen Schnickschnack auskommt. Ich habe gegen Schluss immer langsamer gelesen, weil ich nicht wollte, dass es aufhört.

Land: Deutschland
Genre: Roman
Verlag: Schöffling, Frankfurt
Jahr: 2017
Seiten: 336
Rezension von HK am 24.09.2017

Hanna Hartmann

Hanna Hartmann: Totengräbers Tochter

Edward McDonell ist für die USA im Antidrogenkampf tätig, betreibt aber unter dem Deckmantel der First-Class-Luggage selbst einen schwunghaften Handel. Doch sein Mitarbeiter Jack, der für den Drogentransport auf dem Frankfurter Flughafen sorgt, will aussteigen. Allzu sehr belastet ihn, dass seine Freundin Rena auf dem Rückflug von Kolumbien an geschluckten Drogenpäckchen gestorben ist. Edward bedroht Jack, und Jack erschlägt Edward und deponiert die Leiche in einem Golfsack beim Sperrgepäck. Auf dem Weg dorthin gerät er mit Gertrud, einer Teilnehmerin der Montagsdemo im Terminal 1 aneinander. Nachdem der Mord durch die (Online-)Presse ging, brüstet sich Gertrud auf Facebook, dass sie den Mörder kennt. Kommissarin Edith Tannhäuser, die ihre Freundin vom Flughafen abholen wollte, ist schnell zur Stelle.

Wobei die Ermittlungen inkl. der Detailschritte auf 10 Seiten geschildert wären. Streckenweise die Hauptfigur ist die hysterische Gertrud von den Flughafenerweiterungsgegnern mit ihren drei nicht minder schrägen Freundinnen. Gertrud kämpft gegen den Flughafen, Politiker, Lügenpresse, ihren Kleingartenverein (der ihren Mann als Vorsitzenden abgewählt hat) und eigentlich gegen den Rest der Welt. Das ist ziemlich dick aufgetragen, aber immerhin noch lustig zu lesen. Nett auch, dass Edith einen sympathischen Bundespolizisten kennen lernt. Die Krimihandlung selbst hat eher Zentrifugalkräfte. Ach ja, und den Titel habe ich in Bezug auf den Inhalt gar nicht verstanden.

Land: Deutschland
Genre: Krimi
Verlag: Societäts-Verlag, Frankfurt
Jahr: 2017
Seiten: 224
Rezension von HK am 19.09.2017