Heinrich Krobbach und Bücher
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Hallo und herzlich willkommen auf meiner Webseite!

Hier gibt es mich zu sehen und zu lesen.

Für Literaturliebhaber/innen meine Rezensionen gelesener Bücher. Über viele und nette Kommentare freue ich mich.
Rechts übrigens die neuesten Rezensionen.

Wer sich wundert, dass neuerdings so viele Krimis auftauchen. Seit dem Superstart der VHS-Lesungen "Tod im Turm" bekomme ich massenhaft Empfehlungen - ich bin sozusagen fast im Krimi-Lese-Stress. Aber es gibt auch immer wieder unblutige Literatur.

Ich suche natürlich auch Gäste für meine Ferienwohnung am schönen Traunsee (Österreich, Salzkammergut).

Viel Spaß beim Surfen
Heinrich Krobbach

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Franziska Franz

Franziska Franz: Mainkurtod

Die 26jährige Marlene aus Westfalen arbeitet seit kurzem als Maklerin für das Immobilienbüro von Clemens Richter und dessen Partnerin Anja Malmann in Frankfurt. Bald muss sie feststellen, dass hier ominöse Dinge vorgehen. Die frühere Mitarbeiterin Beate wurde gefoltert und ermordet am Main gefunden, eine weitere Angestellte (Irina) ist spurlos verschwunden. Auch das Verhalten des (ehemaligen Liebes-)Paars Anja und Clemens ist höchst verstörend. Beide werben um die Gunst und das Vertrauen von Marlene, schildern aber Geschehnisse so widersprüchlich, dass eine/r wohl lügen muss – nur wer? Das müsste für Marlene eher Grund genug sein, das Weite zu suchen.

Doch es ist schon zu spät, denn schon im ersten Kapitel des Krimis ist Marlene in einem stockfinsteren Kellerraum gefangen. Fortan wird die Geschichte (zeitversetzt) parallel erzählt, einerseits Marlenes Gefangenschaft und andererseits die Entwicklungen dahin. Dass der Leser also schon früh weiß, was mit Marlene passiert, tut der Spannung aber keinen Abbruch. Allein schon das Verwirrspiel um Anja und Clemens hat Psycho-Thriller-Qualitäten, wobei die Ereignisse in diesen Fabrikkellern in Frankfurt-Fechenheim nichts für empfindliche Gemüter sind. Der Plot ist handwerklich sauber entwickelt, so dass der Leser zum Miträtseln und Kombinieren angeregt wird. Gut beschrieben finde ich auch die psychologischen Aspekte – was passiert (Marlene), wenn einem der Boden der Wirklichkeit unter den Füßen zu schwimmen beginnt. Also, das war ein Lesegenuss!

 

Land: Deutschland
Genre: Krimi
Verlag: Edition Krimi, Hamburg
Jahr: 2019
Seiten: 280
Rezension von HK am 10.01.2020

Christa Jekoff

Christa Jekoff: Liebe und andere Lügen

Bei einer Lesung von Richard Lorentz aus seinem Buch „Liebe und andere Lügen“ vertritt ein unbekannter Zuhörer die These, Richard hätte den Mord an Philipp Urban (der im Buch vorkommt, aber auch in Wirklichkeit stattgefunden hat) begangen haben können. Nach Erscheinen des Buches war Richard kurzzeitig verhaftet, aber mangels Beweisen wieder freigelassen worden. Es selbst ist sich nicht sicher, weil er in der Tatnacht völlig betrunken war, und will die Wahrheit herausfinden. Mit Urban teilte er die Liebe zur Studentin Johanna, die Männer magisch anzieht, sich aber jeglicher Bindung entzieht, was die beiden Männer zu einer verhängnisvollen Wette veranlasst. Der Wahrheit in dieser Geschichte ist auch die Journalistin Cora West auf der Spur und stößt dabei aber auch auf zweifelhafte Grundstücksgeschäfte. Dort wo jetzt im Ostend das luxuriöse Loft von Richard und seiner Frau Lili (Baustadträtin von Frankfurt) stehen, waren vorher Asylbewerber untergebracht, die auf das Gelände einer ehemaligen Lackfabrik umgesiedelt wurden. Zu menschlichen Verstrickungen gesellen sich skrupellose geschäftliche Machenschaften und fordern ihre Opfer.

Im positiven Sinn verwickelt ist dieser Krimi gleich doppelt. Neben die klassische Entschlüsselung der Zusammenhänge tritt das Spiel zwischen Fiktion und Realität. Nimmt Richards Roman reale Geschehnisse auf oder sagt sie sogar vorher oder fügt etwas hinzu oder lässt etwas weg? Es braucht zunächst schon ziemliche Aufmerksamkeit, um die Zeitebenen und Fantasie versus Wirklichkeit auseinanderzuhalten. Aber dann nimmt die Geschichte Fahrt auf, steigert die Spannung und endet in einem genialen Finale. Wenn auch einige Protagonisten eher holzschnittartig modelliert sind (wie z.B. Lili oder Amberg – geschieht ihnen recht), beweist Christa Jekoff bei anderen (besonders Richard) ihren gewohnten psychologisch feinen Tiefgang. Es war wieder mal ein Lesevergnügen.

Land: Deutschland
Genre: Krimi
Verlag: Conte, St. Ingbert
Jahr: 2019
Seiten: 270
Rezension von HK am 07.01.2020

Norbert Weis

Norbert Weis: Teufelsjünger

Makaber inszeniert wird die Leiche von Dr. Mai unter einem Dinosaurier im Frankfurter Senckenberg Museum gefunden. Der Fossilienforscher wurde schwer gefoltert und anschließend erdrosselt; auf seine Brust wurde ein satanisches Pentagramm gemalt. Schnell findet Kommissarin Anke Steinbach heraus, dass das Betriebsklima im Museum nicht immer rosig war. Die Konkurrenz zwischen Dr. Mai und dem Kollegen Dr. Marenberg war offenkundig, zumal letzterer wütend darüber war, dass die attraktive Praktikantin letztendlich Dr. Mai zugewiesen wurde. Aber ist das ein Grund für einen schauerlichen Mord? Die Ermittlungen ziehen sich dahin, da wird die junge Anna Pasing tot am Fuß der Kreuzigungsgruppe vor dem Frankfurter Dom gefunden; ein Pentagramm ist in ihren Rücken geritzt. Anke verfolgt nun die Spur einer mörderischen Sekte, kommt den Tätern sehr nahe und macht dann einen verhängnisvollen Fehler, der sie selbst in tödliche Gefahr bringt.

Bis dahin nahm die – durchaus gut und stimmig konstruierte – Handlung eher einen gemächlichen Verlauf. Dann nimmt er rasant Fahrt auf, und selbst Ankes Chef, der eigentlich dem Ruhestand entgegen schauende Hauptkommissar Schmitt, greift energisch in die Ermittlungen ein. Also, Spannung bis zum Schluss ist auf den knapp 300 Seiten garantiert. Sehr ausführlich wird die Weltsicht von Satanisten, die – die Dualität der christlichen Vorstellungen von Himmel und Hölle umkehrend – dem Antichristen huldigen, beschrieben. Mir war es eher zu ausführlich mit zahlreichen Wiederholungen der gleichen Versatzstücke dieser abstrusen Gedankenwelt. Das „Personal“ dieses Krimis wie auch die Dialoge sind recht lebendig und farbig präsentiert, wobei das eher für die „Guten“ gilt, während bei den „Bösen“ ein leichter Trend zum Klischee zu erkennen ist. Sprachlich ist der Krimi eher nicht „flott geschrieben“. Die Dialoge und Erörterungen nehmen ihren Raum ein und wirken ernst und geerdet, was ich stimmig fand. Unerklärlich war mir jedoch, warum die Kommissarin in der dritten Person beharrlich als „die“ Steinbach bezeichnet wird (es gab nie einen „der“ Schmitt oder „die“ Westhöfer o.ä.). Die „Homestory“ schließlich besteht zum großen Teil aus Ankes Verhältnis zu ihrem m.E. ziemlich egozentrischen Freund Nils – dieses „Glück“ muss man nicht verstehen. Insgesamt ein guter und spannender Krimi, allerdings mit dem Hinweis, dass er angesichts der detailliert geschilderten Grausamkeiten nichts für zarte Gemüter ist.

Land: Deutschland
Genre: Krimi
Verlag: Edition Krimi, Hamburg
Jahr: 2019
Seiten: 300
Rezension von HK am 30.12.2019

Leo Heller

Leo Heller: Schöner sterben in Bembeltown

Privatdetektiv Jürgen McBride, Opel-GT-Liebhaber und in Geldnöten, erhält einen Auftrag von Ellen von Unschwer, Geschäftsführerin von International Art Consultants (IAC) in Bad Homburg. Er soll eine gestohlene Zeichnung von Joseph Beuys (ein mit Koyotenblut geschriebenes Mantra auf hellblauem Löschblatt, auf dem auch ein Eichhörnchen zu sehen ist) wiederbeschaffen. Doch zunächst findet er am vereinbarten Treffpunkt am Eisernen Steg den anderen Geschäftsführer von IAC, Johannes W. Körner – exekutiert mit einem Kopfschuss (ebenso sein Hund). Zurück in seinem Loft im Gutleutviertel findet er die Tatwaffe im Briefkasten und wird in seiner Wohnung von zwei Einbrechern angegriffen – einen erschießt er, dem anderen gelingt die Flucht. Nach diesem rasanten Einstieg geht es genauso weiter. Erstes reales Treffen mit Ellen und Instant-Sex; Jürgens „beeindruckender“ Auftritt als Neumitglied im Frankfurter Kunstsinnigen Verein; Verfolgung der verdächtigen IAC-Empfangsdame Marie ins Brahma Rescue Center; nächtliche Schlägerei an einer Trinkhalle am Main (Orange Beach?); ein Kampf mit dem verdächtigen Eon Tui Axas (Oberhaupt des Brahma Rescue Centers), den Jürgen mit Hilfe seiner Fürze gewinnt; Befragung desselben (im Drogenrausch liegenden) auf den Hunsrücker Esoteriktagen – und schließlich sogar eine Lösung des Falls.

Systematisch ermittelt wird bis ca. Seite 180 eigentlich nichts. Jürgen befragt mal den oder die und bekommt mal eine Antwort oder auch nicht. Die finale (mehr oder weniger logische) Auflösung ergibt sich erst durch die Kameraaufzeichnungen im IAC – da wäre jeder mittelmäßige Detektiv oder Polizist sicher vorher draufgekommen. Jenseits des Krimi-Plots „beeindruckt“ das Buch durch eine Vielzahl an bizarren bis absurden Szenen und ziemlich übertriebene sprachliche Auswüchse. Auch das Verehrungs-Gedöns Jürgens für seinen Opel GT ist kurzzeitig witzig, sorgt aber – spätestens, wenn der Oldtimer fast zum selbstfahrenden Auto mit menschlichen Verhaltensweisen wird – bald nur noch für müdes Lächeln. Die Namensspielerei beim Polizeikommissar Erik Odecker scheint mir völlig sinnfrei zu sein. Aha – da steckt Erik Ode (früherer bekannter Fernsehkommissar) drin. Dann aber schwärmt seine Frau Margot für damals im Arbeiter- und Bauerstaat – da steckt dann wohl Erik / Erich und Margot Odecker / Honecker drin. Aber was soll’s  - es hat sogar bisschen Spaß gemacht, den Klamauk zu lesen.

Land: Deutschland
Genre: Krimi
Verlag: Gmeiner, Meßkirch
Jahr: 2019
Seiten: 256
Rezension von HK am 27.12.2019

Melisa Schwermer

Melisa Schwermer: So tödlich die Stille

Gleich zu Beginn (im Prolog 2013) eine gewalttätige Auseinandersetzung zwischen Frau und Mann um das andauernde Schreien des Kleinkindes. In den nächsten Kapiteln (aktuelle Erzählzeit) weitere Krisensituationen zwischen eben jener Frau Martha und einem Jungen, der schließlich wegläuft und im Main ertrinkt. Perspektivwechsel – die Polizeikommissare Thomas und Fabian ermitteln wegen des – ihnen unbekannten – toten Jungen. Martha ist währenddessen auf der Suche nach ihrem ersten Sohn, der ihr vom Jugendamt weggenommen wurde, und will ihn zurückholen. (Damit wird klar, dass es sich um zwei Jungen und zwei Erzählzeiten handelt. Dies hier zu schreiben, dürfte nicht „gespoilert“ sein, sondern hilft eher, die Handlung zu verstehen.) Wie wird der Junge reagieren? Was hat Martha mit ihm vor? Als die Polizisten endlich ihr auf die Spur kommen, mündet die Geschichte in ein dramatisches Finale.

Gleich vorweg – dieser Thriller ist nichts für schwache Nerven. Diese Szenen aus Verzweiflung, nackter Gewalt, Wahnvorstellungen und archaischen Ausbrüchen und Hilflosigkeit tun richtig weh beim Lesen, aber sie sind ja leider nicht ganz ohne soziale Realität. So weist die Autorin, die ja berufliche Erfahrungen mit Menschen „am Rande der Gesellschaft“ mitbringt, darauf hin und fordert als Botschaft alle zum Hinschauen und Handeln auf. Die Handlung selbst ist in den 31 Kapiteln plus Prolog und Epilog ziemlich kompliziert entwickeln. Mann muss schon sehr auf die Zeitebenen achten, um nicht vollends in Verwirrung zu kommen. Und auch dann müssen wohl etliche Handlungsteile eher psychologisch statt logisch gedeutet werden, sonst geben sie keinen Sinn. Ungeachtet dessen ist es ein hochspannender Thriller, der mich bis zum Ende nicht losgelassen hat. Schon alleine wegen der Empathie für die Opfer (und dazu zählen nicht nur die Jungen). Ganz nett die eingestreute Homestory von Fabians Beziehungskonflikt mit seiner Freundin Josi und seiner „klassischen“ Mutterbeziehung.

Land: Deutschland
Genre: Thriller
Verlag: Independently published, Rödermark
Jahr: 2019
Seiten: 295
Rezension von HK am 23.12.2019