Heinrich Krobbach und Bücher
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Hallo und herzlich willkommen auf meiner Webseite!

Hier gibt es mich zu sehen und zu lesen.

Für Literaturliebhaber/innen meine Rezensionen gelesener Bücher. Über viele und nette Kommentare freue ich mich.
Rechts übrigens die neuesten Rezensionen.

Wer sich wundert, dass neuerdings so viele Krimis auftauchen. Seit dem Superstart der VHS-Lesungen "Tod im Turm" bekomme ich massenhaft Empfehlungen - ich bin sozusagen fast im Krimi-Lese-Stress. Aber es gibt auch immer wieder unblutige Literatur.

Ich suche natürlich auch Gäste für meine Ferienwohnung am schönen Traunsee (Österreich, Salzkammergut).

Viel Spaß beim Surfen
Heinrich Krobbach

Neue Bücher
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Uli Aechtner

Uli Aechtner: Die Bach runter

Ein Schäfer in der Wetterau findet einen ausgesetzten Säugling. Die öffentliche Suche nach den Eltern löst eine Riesenwelle an Mitgefühl aus, so dass das Krankenhaus, in dem sich das kleine Mädchen befindet, mit mehr oder weniger passenden Geschenken überschüttet wird. Auch Lucca Heisterkamp taucht mit einem Riesenteddy auf, und der zufällig anwesende Kommissar Christian Bär verliebt sich in die attraktive und sportliche Frau. Der Journalistin Roberta, die mit Bär in einer undefinierten Freundschaft verbunden ist, gefällt dies natürlich nicht. Doch sie hat gerade mit Marvin, dem unangepassten Nachbarsjungen, der ihr immer wieder Lebensmittel klaut, zu kämpfen. Dann wird in der Nidda die Leiche eines Schönheitschirurgen gefunden, der offenkundig von einer Pfeilspitze verletzt wurde.

Das mag unzusammenhängend klingen, ist es aber natürlich nicht. Die Autorin erweist sich als Meisterin des slow crime; sie erzählt auf zwei Dritteln des Buches Geschichten, die so gut wie nicht verraten, um was es eigentlich (kriminalistisch) geht, die aber dennoch fesseln und Spannung aufbauen. Zum Schluss fügt sich alles (nach einer überraschenden Wende) in einem skurrilen Showdown. Daneben gibt es tiefe Einblicke in die Prepper-Szene (Menschen, die sich angesichts kommender Klima- und anderer Katastrophen mit Vorräten und Utensilien zum Überleben eindecken) und in die Abgründe der Schönheitschirurgie. Sehr zeitgemäß wird en passant das Problem eingeflochten, dass die Polizei schon Handyfotos von Leichen im Internet finden kann, bevor sie selbst zum Tatort kommt. Und schließlich die Homestory: Bärs sympathische Nichte Amelie als Ausreißerin und Roberta und Bär in ihrer Äppelwoiwirtschaft. Einfach schön!

Land: Deutschland
Genre: Krimi
Verlag: emons, Köln
Jahr: 2019
Seiten: 224
Rezension von HK am 22.02.2019

Robert Maier

Robert Maier: Virus Cop

Der Physik-Student Benjamin wird nachts am Frankfurter Nidda-Uferweg erschlagen. Dessen Freundin gibt an, dass er hohe Schulden hatte, und so ermittelt die Kripo im zwielichtigen Inkasso-Milieu – allerdings erfolglos. Olaf, pensionierter IT-Experte und Vater des bisher erfolglosen Jung-Kommissars Tobias, will seinem Sohn helfen. Mittels eines selbstprogrammierten Programms (Virus-Cop) zieht er sich heimlich Nachrichten vom Handy seines Sohnes und nutzt die Informationen für eigene Ermittlungen. Als angeblicher Onkel Benjamins erforscht er dessen Umfeld, besonders an der Uni Frankfurt, und stößt dabei auf seltsame Verhältnisse zwischen Studenten und Professoren und skrupellose Konkurrenz unter Wissenschaftlern. Nach Sex and Crime und Situationskomik im Äppelwoi-Milieu wird es am Ende richtig gefährlich, bevor der Fall gelöst wird.

Ein Krimi der netten Sorte. Gerne liest den flotten Schreibstil über alte Männerfreunde mit Witz, die beim Äpppelwoi Mörder jagen. Hie und da scheinen die Verdachtsmomente etwas weit hergeholt. In Kern aber ein interessanter Plot zu kriminellen Machenschaften in der Wissenschaft. Ebenso interessant fand ich das Element mit dem Virus-Cop, und zwar besonders, dass der sein Eigenleben entwickelt und Olaf zeitweise die Kontrolle darüber verliert. Zeitweise dachte ich, dass sei der eigentliche Plot, doch die Sache verläuft eher im Sand. Wäre sicher spannend gewesen, diesen Aspekt auszubauen. Aber insgesamt spannend waren die knapp 200 Seiten.

Land: Deutschland
Genre: Krimi
Verlag: mainbook, Frankfurt
Jahr: 2019
Seiten: 196
Rezension von HK am 16.02.2019

Michael Opoczynski

Michael Opoczynski: Schmerzensgeld

Berliner Autofahrer werden durch fingierte Unfälle finanziell geschröpft und können sich juristisch nicht wehren. Diese und andere Opfer von Ungerechtigkeiten finden in der Gesellschaft für unkonventionelle Maßnahmen einen kreativen und wirksamen Helfer. Ein Team aus Spezialisten (IT-Experte, Kampsportler, Ex-LKA-Beamter usw.), finanziell gut ausgestattet durch das Vermögen ihres Gründers übt im Namen der Opfer Vergeltung. Doch ihr größter Coup richtet sich gegen das Treiben der privatisierten Städtebank bzw. des Ex-Vorstandsvorsitzenden Wilhelm von Tretter. Hunderte Kleinsparer wurden zu riskanten Investments verführt und verloren ihr Geld, während sich die Vorstände die Taschen füllten. Ein ausgeklügelter Plan nimmt seinen Lauf.

Das ist mal ein Krimi der anderen Art. Kein Täter wird gesucht, sondern der bekannte Bösewicht wird mit unkonventionellen Maßnahmen (wie der Name der Gesellschaft schon sagt) zur Strecke gebracht. Und nebenbei beleuchten die Recherchen im Detail, mit welch üblen Methoden Finanzhaie die Kleinsparer übers Ohr gehauen haben. Doch bei aller moralischen Sympathie für das – ebenso sympathische – Team der Gesellschaft wirft der Krimi auch die Frage nach der Legitimation privater Vergeltung auf. Jedenfalls haben der abgedrehte Plan und die gut gehaltene Spannung durchgehendes Lesevergnügen bereitet.

Land: Deutschland
Genre: Krimi
Verlag: Benevento, Salzburg - München
Jahr: 2018
Seiten: 288
Rezension von HK am 29.01.2019

Petra Piuk

Petra Piuk: Toni und Moni

Petra Piuk schreibt einen Heimatroman und gibt – in Dialogen mit ihrer Lektorin Tanja – gleich die Anleitung dazu. Es ist die Geschichte von den Nachbarkindern Toni und Moni in Schöngraben an der Rauscher (der Name dieses fiktiven österreichischen Dorfes sagt schon was) von ihrer Geburt bis zur glücklichen Hochzeit. In diesem Dorf ist die Welt noch in Ordnung. Der Mann ist der Herr im Haus, die Frau kocht, wäscht, kriegt Kinder und hat den Rock hochzuheben, wenn es dem Herrn beliebt. Beim Dorfwirt geht man saufen und Karten spielen. Kinder haben die Klappe zu halten und zu essen, was auf den Tisch kommt, sonst setzt’s eine Watschn. Bedrohlich ist alles Fremde, besonders aus der Stadt – im Heimatroman verkörpert durch die abtrünnige Groß-Cousine. Und die bringt auch noch Moni auf dumme Gedanken, so dass Toni um seine ewige Liebe kämpfen muss.

Eine nette Idee dieser gewissermaßen interaktive Heimatroman, in dessen Entstehung sich ständig, die Lektorin, eine ominöse Schriftstellerin, Leserbriefschreiberin und Dorfbewohner einmischen. Und was da zu lesen ist, ist so schrecklich dumpf, dass es an den frühen Franz Xaver Kroetz erinnert, und so wunderbar böse, dass Elfriede Jelinek um die Ecke lugt. Das Lachen bleibt einem dennoch nicht im Halse stecken.

Land: Österreich
Genre: Roman
Verlag: Kremayr & Scheriau, Wien
Jahr: 2017
Seiten: 208
Rezension von HK am 25.01.2019

Brigitte Pons

Brigitte Pons: Su

Die Studentin Su (Susanne) kümmert sich öfters um die alleinstehende und betagte Anni und findet sie eines Tages erschlagen in ihrer Wohnung. Für die labile Su bricht eine Welt zusammen, schließlich war Anne eine wichtige Gesprächspartnerin für sie. Su bringt den im Treppenhaus streunenden Kater Moritz zu seinem im gleichen Haus wohnenden Besitzer, dem Naturwissenschaftler Jakob. Bald geht Su dort ein und aus, eine bizarre „Beziehung“ beginnt zwischen der jungen Frau und dem wesentlich älteren Jakob, der sich der erotischen Avancen Sus nur mühsam erwehren kann. Als Su auch Jakobs Sohn Erik ihr Spiel treibt, wird die Lage noch verworrener. Dass auch Jakobs neue Freundin Lisa (eine Kollegin) in Sus Fadenkreuz gerät ist selbstverständlich. Die Welt aller Beteiligten gerät aus den Fugen. Niemand kann der hinreißend unkonventionellen Persönlichkeit, den tiefen dunklen Augen, der Eloquenz, der Begeisterung, aber auch der offensiven, fordernden Art und schon gar nicht der spitzfindigen Kommunikation von Su widerstehen – bis Erik dem Spiel ein drastisches Ende setzt. Doch das ist erst der Anfang dramatischer Ereignisse, die erst in Spanien auf den Jakobsweg die Erlösung bringen.

Die Autorin hat mit Su eine schillernde und tiefgründige Protagonistin erschaffen, die den Leser nicht kalt lässt. Wobei ich zwischen Ablehnung (aufdringliche, respektlose und spitzfindige Göre) und Empathie (kluge, liebes- und schutzbedürftige junge Frau) hin und her schwankte. Sehr einfühlsam ist Sus Ambivalenz zwischen Nähe und Distanz, ihre Angst vor der Liebe beschrieben, die angesichts der biografischen Traumata sehr nachvollziehbar sind. Genauso interessiert aber auch das (kaum rationale) Verhalten von Jakob und Erik – da riecht die Psychoanalyse geradezu die Gegenübertragung zur Übertragung. Etwas anstrengend waren die zu zahlreichen spitzfindigen Dialoge zwischen Su und anderen – über Seiten die Perspektiven so oft hin- und hergewendet (bis zerredet) – das hätte etwas weniger Raum einnehmen können. Nicht ganz so plausibel waren die Figur und die Handlungen von Lisa. Aber insgesamt ein flott und mit viel Sprachwitz geschriebener Roman – und spannend war’s auch noch.

Land: Deutschland
Genre: Roman
Verlag: BoD, Norerstedt
Jahr: 2018
Seiten: 412
Rezension von HK am 20.01.2019