Heinrich Krobbach und Bücher
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Hallo und herzlich willkommen auf meiner Webseite!

Hier gibt es mich zu sehen und zu lesen.

Für Literaturliebhaber/innen meine Rezensionen gelesener Bücher. Über viele und nette Kommentare freue ich mich.
Rechts übrigens die neuesten Rezensionen.

Wer sich wundert, dass neuerdings so viele Krimis auftauchen. Seit dem Superstart der VHS-Lesungen "Tod im Turm" bekomme ich massenhaft Empfehlungen - ich bin sozusagen fast im Krimi-Lese-Stress. Aber es gibt auch immer wieder unblutige Literatur.

Ich suche natürlich auch Gäste für meine Ferienwohnung am schönen Traunsee (Österreich, Salzkammergut).

Viel Spaß beim Surfen
Heinrich Krobbach

Neue Bücher
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Hanna Hartmann

Hanna Hartmann: Totengräbers Tochter

Edward McDonell ist für die USA im Antidrogenkampf tätig, betreibt aber unter dem Deckmantel der First-Class-Luggage selbst einen schwunghaften Handel. Doch sein Mitarbeiter Jack, der für den Drogentransport auf dem Frankfurter Flughafen sorgt, will aussteigen. Allzu sehr belastet ihn, dass seine Freundin Rena auf dem Rückflug von Kolumbien an geschluckten Drogenpäckchen gestorben ist. Edward bedroht Jack, und Jack erschlägt Edward und deponiert die Leiche in einem Golfsack beim Sperrgepäck. Auf dem Weg dorthin gerät er mit Gertrud, einer Teilnehmerin der Montagsdemo im Terminal 1 aneinander. Nachdem der Mord durch die (Online-)Presse ging, brüstet sich Gertrud auf Facebook, dass sie den Mörder kennt. Kommissarin Edith Tannhäuser, die ihre Freundin vom Flughafen abholen wollte, ist schnell zur Stelle.

Wobei die Ermittlungen inkl. der Detailschritte auf 10 Seiten geschildert wären. Streckenweise die Hauptfigur ist die hysterische Gertrud von den Flughafenerweiterungsgegnern mit ihren drei nicht minder schrägen Freundinnen. Gertrud kämpft gegen den Flughafen, Politiker, Lügenpresse, ihren Kleingartenverein (der ihren Mann als Vorsitzenden abgewählt hat) und eigentlich gegen den Rest der Welt. Das ist ziemlich dick aufgetragen, aber immerhin noch lustig zu lesen. Nett auch, dass Edith einen sympathischen Bundespolizisten kennen lernt. Die Krimihandlung selbst hat eher Zentrifugalkräfte. Ach ja, und den Titel habe ich in Bezug auf den Inhalt gar nicht verstanden.

Land: Deutschland
Genre: Krimi
Verlag: Societäts-Verlag, Frankfurt
Jahr: 2017
Seiten: 224
Rezension von HK am 19.09.2017

Margaret Atwood

Margaret Atwood: Das Herz kommt zuletzt

Stan und Charmaine sind ein junges Paar in den USA (offensichtlich Ostküste). Nach der Finanz- / Immobilienkrise wurden sie wie viel andere auch arbeitslos, verloren ihr Haus und leben nun in einem kleinen Auto. Das ist sehr gefährlich, denn ständig müssen sie in der Nacht mit Überfällen von Entwurzelten, Drogensüchtigen und marodierenden Banden rechnen. Doch offensichtlich sind Staat und Gesellschaft nur teilweise so zerstört. Charmaine sieht in der Bar, in der sie jobbt, eine Sendung über das soziale Projekt Positron. Eine Modellstadt, in der die Hälfte der Bevölkerung im Gefängnis lebt, die andere in schönen Wohnungen und sozial gesichert (und als Bewacher der ersteren) – und jeden Monat werden die Rollen gewechselt. Stan und Charmaine bewerben sich und werden aufgenommen. Doch nach anfänglichem Glück geraten sie in die Machtspiele der Drahtzieher und müssen erkennen, dass sich hinter der Fassade ein verbrecherischer Albtraum abspielt. Sie werden gegeneinander ausgespielt und getrennt und erst nach turbulenten Ereignissen gelingt ihnen ein Entkommen aus Positron und sie finden in Las Vegas wieder zusammen.

Ich hatte Margret Atwood bisher nicht auf dem Schirm. Erst als sie für den Friedenspreis des Buchhandels nominiert und als politische Schriftstellerin beschrieben wurde, wollte ich was von ihr lesen. Ihr „Report der Magd“ (habe ich nicht gelesen) wurde ja auf eine Stufe mit Orwell und Huxley gestellt. „Das Herz kommt zuletzt“ ist davon aber Welten entfernt. Schon die ganze Konstruktion des Positron-Experiments ist so vage und pragmatisch unglaubwürdig, das sich ständig die Zweifel, wie das eigentlich funktionieren soll, aufdrängen. Gleiches gilt für Handlungsabläufe, die – nicht mal fiktional – glaubwürdig sind. Und die Protagonisten sind weitgehend Kollagen von verschiedenen Charaktermasken – nix passt zusammen und einzeln sind es Klischees. Das affige, ästhetisch-schmerzhafte Finale in Las Vegas mit grausamen Shows (mit Elvis- und Marilyn-Darstellern) soll wohl Satire sein. Man kann einige Themen wie Organhandel und interaktive Sexpuppen für gesellschaftskritisch halten. Aber ein Roman, bei dem ich jede zweite Seite eher „Hä?“ sage, ist nicht mein Vergnügen.

Land: Kanada
Genre: Roman
Verlag: Berlin-Verlag, Berlin
Jahr: 2017
Seiten: 400
Rezension von HK am 15.09.2017

Sophie Heeger

Sophie Heeger: Auch Engel sterben

Die 19jährige Julia Möller wird tot am Mainzer Ballplatz gefunden – ein Engelsflügel umgeschnallt, ein anderer in ihrem Schoß. Die Todesursache ist bizarr – halb gewürgt, halb im Rhein ertränkt, aber zum Tod führte ein Stück Apfel in der Kehle. Die Recherchen von Franz Bender und Sandra Kurz von der Mainzer Kripo ergeben, dass Sandra ein freundliches Mädchen war, das sich für die Umwelt engagierte und im Kirchenchor sang. Aber somit passte sie auch nicht zum Mainstream der gleichaltrigen. Dafür und auch für ihre mollige Figur wurde sie gehänselt und im Internet böse gemobbt. Nur mit dem Priesteranwärter Benedikt Kaufmann, der den Kirchenchor leitete entwickelte sich ein inniges Verhältnis.

Der Fall ist für Franz und Sandra zum Haare raufen. Der Internetmobber könnte über die Stränge geschlagen haben. Benedikt Kaufmann könnte seinen Zwiespalt zwischen Keuschheitsgebot und Liebe auf diese Weise gelöst haben. Jedoch führen alle Spuren ins Nichts. Da liegt eine kleine Schwäche des Krimis – allzu lange keine zielführenden Handlungen, sondern eher hilflose Aktionen (besonders von der psychisch angeschlagenen Sandra). Erst die Psychiaterin Lea Johannsen findet – eher zufällig – den entscheidenden Hinweis. Einerseits etwas konstruiert, andererseits auch wieder gut, denn der Leser sagt sich spontan – darauf hätte ich kommen können. Also kurzum, Sophie Heeger hat ihren dritten spannenden Krimi vorgelegt. Zu erwähnen sind noch die sympathischen Protagonisten und überhaupt die Fähigkeit der Autorin, Figuren (auch die Unsympathen) farbig und lebensecht zu gestalten.

Man beachte bei der Seitenangabe (822), dass es sich um ein eBook handelt.

Land: Deutschland
Genre: Krimi
Verlag: Midnight,
Jahr: 2017
Seiten: 822
Rezension von HK am 09.09.2017

Gioconda Belli

Gioconda Belli: Mondhitze

Emma, 48 Jahre alt und seit 26 Jahren Ehefrau des Arztes Fernando, Mutter zweier Kinder, die Anfang zwanzigjährig schon aus dem Haus sind, sorgt sich um das Ausbleiben ihrer Regel. In diesen Gedanken verfangen fährt sie durch das Barrio San Judas (in Managua) und fährt den Möbelschreiner Ernesto an. Mit Hilfe ihres Mannes bringt sie den Schwerverletzten ins Krankenhaus und kümmert sich in der folgenden Zeit um ihn (mit Krankenversicherung für ärmere Menschen ist es in Nicaragua nicht so). Sind die Gleichförmigkeit ihrer langen Ehe oder die Wallungen der Wechseljahre oder ist es Ernesto selbst? Jedenfalls besteht von Beginn an eine erotische Spannung, die Emma aus dem Gleichgewicht bringt. Parallel (und ebenso heimlich) entwickelt Fernando erotische Gefühle für die Drogistin Margarita (die eigentlich in Ernesto verliebt ist).

Geschickt verwebt Gioconda Belli mehrere Stoffe miteinander. Lebenssinn der traditionellen Ehefrau nach dem Ende ihrer Mutterschaftsrolle. Geschlechterrollen zwischen Tradition und Emanzipation – was dürfen Männer, was dürfen Frauen (nicht)? Die Begegnung von Milieus, die jeweils als vom anderen Stern erscheinen – das begüterte gehobene Arztmilieu versus Handwerkermilieu inklusive ihrer Verflochtenheit in die jüngere nicaraguanische Geschichte. Und schließlich die Frage, was gesellschaftliches Engagement jenseits der verflogenen revolutionären Träume noch sein kann. Gioconda Belli erweist sich wieder einmal als einfühlsame Erzählerin mit politischem Scharfblick – und ihr grundständiges Vertrauen in die menschliche Fähigkeit zu Entwicklung hinterlässt keine Abgründe, sondern eher Optismus.

Land: Nicaragua
Genre: Roman
Verlag: Droemer, München
Jahr: 2017
Seiten: 288
Rezension von HK am 06.09.2017

Daniel Silva

Daniel Silva: The black widow

Der Islamische Staat (IS) begeht einen furchtbaren Anschlag auf das Hannah Weinberg Center in Paris, wobei sich eine Terroristin durch ihre Kaltblütigkeit hervortut, mit der sie schon verwundete Menschen exekutiert. Die Spuren führen zu Jalal Nasser, einem in London lebenden Recruiter des IS. Und sie deuten auf weitere bevorstehende Anschläge hin, deren Urheber offenkundig ein neuer strategischer Kopf des IS ist. Nun beschließt der israelische Geheimdienst, eine Agentin in das IS-Kalifat einzuschleusen. Aus der israelischen Ärztin Natalie wird durch intensives Training und umfassende Schulung die palästinensisch-stämmige französische Ärztin Dr. Leila Hadawi. Zur ihrer Legende gehört, dass ihr Geliebter im Kampf für die islamische Sache gestorben ist – eine „black widow“.

Zu den intellektuell besten Passagen des Buches gehört diese Konversion von Natalie zu Leila, weil plötzlich (zumindest für das Verhältnis von Israel zu Palästina) aufscheint, dass es verschiedene Sichtweisen auf die Ereignisse und Verhältnisse geben kann und nicht nur eine Seite Recht hat. Dies hebt sich vom schlichten Grundton des Buches ab, nach dem es hier die nur Guten (israelische und andere westliche Geheimdienste) und dort die nur Bösen gibt. Und das ganze streckenweise noch (blut-)triefend von Agenten- und Killerpathos. So, jetzt genug gemeckert. Ansonsten ist es ein über 500 Seiten hochspannender Thriller. Wer erfahren will, dass der anfängliche Anschlag in Paris nur ein laues Lüftchen gegenüber dem war, was am Schluss in Washington passiert, sollte gleich loslesen.

Land: USA
Genre: Thriller
Verlag: Harper Collins Publ., London
Jahr: 2017
Seiten: 544
Rezension von HK am 02.09.2017